Auch im Pandemie-Jahr haben sich die Expert·innen zu praktischen und strategischen Fragen des Originalerhalts in Archiven und Bibliotheken Deutschlands ausgetauscht. Per Videokonferenz haben rund 40 Teilnehmende am 26. Oktober 2020 in zwei Stunden zentrale Punkte zur bundesweiten Projektförderung, Koordinierung und Gremienarbeit beraten. Die geplanten Aktivitäten zum 10jährigen KEK-Jubiläum im Jahr 2021 kamen ebenfalls zur Sprache.

Förderlinien zum Originalerhalt – Rückblick auf 2020

Zur Einführung hat Ursula Hartwieg die Beantragungslage in der KEK-Modellprojektförderung und im BKM-Sonderprogramm 2020 präsentiert. In beiden Förderlinien wurde – wie in den Vorjahren – eine starke Überzeichnung der Fördertöpfe erzielt. Bei der KEK-Modellprojektförderung wurden rund 600.000 Euro für ein- und mehrjährige Projekte beantragt, verfügbar waren hingegen lediglich rund 380.000 Euro. Im BKM-Sonderprogramm lag die Beantragung bei rund 5 Mio. Euro, die verfügbaren Fördermittel für ein- und mehrjährige Projekte hingegen bei rund 3,8 Mio. Euro. 

Balkendiagramm BKM-Sonderprogramm 2020

Die Verteilung der Anträge nach Ländern und nach Unterhaltsträgern zeigen im Vergleich von 2019 mit 2020 eine Stabilisierung bzw. Kontinuität. Die Einrichtungen in kommunaler Trägerschaft sind besonders stark vertreten und zeugen von starkem Engagement. Im BKM-Sonderprogramm bilden die Anträge aus dieser Trägergruppe ein ganzes Drittel. Im Ergebnis konnten 34 KEK-Modellprojekte und 118 Projekte im BKM-Sonderprogramm bewilligt werden. Als zentrale Herausforderungen im laufenden Förderjahr wurden von den Teilnehmenden insbesondere die Auswirkungen der Corona-Pandemie genannt. Oftmals waren die Bestände nicht zugänglich, zudem hatten Dienstleister·innen Schwierigkeiten bei der Umsetzung. Archive und Bibliotheken waren bei der Projektdurchführung vergleichsweise häufig auf Begleitung von Seiten der KEK angewiesen, um z. B. für Änderungen in de Projektdurchführung entsprechende Anträge und Bescheide zu stellen oder zu erhalten. 

Aktuelle Entwicklungen in den Ländern

Der Länderbericht hat sich inzwischen als Standard im Bundesweiten Expertengespräch etabliert. Die Strukturen zur Förderung und Koordinierung des Originalerhalts befinden sich vielerorts in Bewegung. Feste Zuständigkeiten und Kompetenzen werden in den Ländern mehr und mehr ausgebaut. Das KEK-Portal informiert in einem Überblick ausführlich zu den einzelnen Initiativen in den Ländern.

Icon Fachkompetenz
Der Ausbau von Fachkompetenzen ist auch eine unserer Kernaufgaben. © KEK

Für Berlin ist zu berichten, dass sich seit Jahresbeginn das Kompetenzzentrum Bestandserhaltung für Archive und Bibliotheken in Berlin und Brandenburg (KBE) der Erarbeitung eines Landeskonzepts für den Originalerhalt des schriftlichen Kulturguts im Land Berlin widmet. Diese Konzeptentwicklung wird im Rahmen eines zweijährigen Projekts von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa gefördert. Das Konzept stellt am Ende die notwendige Grundlage dar, in der sparten- und einrichtungsübergreifenden Koordinierung des Originalerhalts in Berlin systematisch und messbar vorgehen zu können.

In Nordrhein-Westfalen ist der Originalerhalt ebenfalls deutlich gestärkt worden: Die Landesregierung hat im Rahmen der Stärkungsinitiative Kultur für den Zeitraum bis 2023 ihre Fördermittel von bisher knapp 800.000 Euro auf bis zu 1,8 Millionen Euro erhöht. Für das kommende Jahr ist geplant, das LISE-Förderprogramm stärker an die KEK-Förderung zu knüpfen. So können ab 2021 mehrere Maßnahmen gefördert werden: Neben der Massenentsäuerung sind nun auch Reinigung, Verpackung und Restaurierung förderfähig. Die Erfahrungen zur Synchronisierung der Förderprogramme werden voraussichtlich im nächsten Expertengespräch Thema sein.

Aktuelles aus der KEK

Mit Freischaltung des KEK-Portals im Sommer 2020 ist ein Meilenstein erreicht worden: Im neuen Online-Angebot kann ab jetzt umfassend zu den Förderdaten recherchiert werden. Alle 590 Förderprojekte aus dem Zeitraum 2010 bis 2019 sind einsehbar und über Filterfunktionen durchsuchbar. Außerdem sind die Projektinformationen im Wissensnetz mit Fachartikeln und Glossareinträgen verknüpft. Die digitale Kommunikation der KEK ist zudem gestärkt, z. B. durch das integrierte Online-Magazin. Als weitere Entwicklungsstufen ist der Aufbau der Fachinformationen vorgesehen.

Magazin der Deutschen Nationalbibliothek
Das Magazin der Deutschen Nationalbibliothek zierte eine der Postkarten, die wir zum Launch des KEK-Portals deutschlandweit verschickt haben. © Jörg F. Müller

Im Jahr 2021 feiert die KEK ihr 10jähriges Gründungsjubiläum. Aus diesem Anlass sind bereits verschiedene Projekte in Planung. Im Mittelpunkt steht dabei die Konferenz, die im Spätherbst 2021 in Berlin stattfinden wird. Die Tagung wird nationale und internationale Panels im Programm haben, wobei der internationale Teil z. B. den Aspekt der gesamtstaatlichen Koordinierung des Originalerhalts in Deutschland im Vergleich mit anderen europäischen Ländern beleuchtet.

Berichte aus den bundesweiten Gremien

Beim abschließenden Bericht aus den drei bundesweiten Gremien für Bestandserhaltung ist die kooperative Erarbeitung des spartenübergreifenden Grundlagenpapiers "Objektschonende Digitalisierung" hervorzuheben. Das Papier wird vom Bestandserhaltungsausschuss der KLA sowie von der Kommission Bestandserhaltung in der Sektion 4 des dbv entwickelt. Die enthaltenen Empfehlungen werden Aussagen zur Standardisierung der Digitalisierung von Archiv- und Bibliotheksgut treffen. Im Ergebnis soll eine spartenübergreifende DIN-Norm für Prozesse der objektschonenden Digitalisierung zur Verfügung stehen.