Wer wir sind

Die Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) fördert, koordiniert und optimiert den Erhalt schriftlicher Originale und trägt damit wesentlich zur Sicherung unseres kulturellen Gedächtnisses bei. Denn fast alle historischen Dokumente wie Bücher, Urkunden oder Akten bestehen aus Papier. Und das ist akut gefährdet: Mit der Zeit wird es brüchig, zerfällt und geht im schlimmsten Fall verloren.

Finanziert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) und die Kulturstiftung der Länder verfolgen wir ein zentrales Ziel: die dauerhafte Erhaltung des bundesweit verwahrten kulturellen Erbes in Form schriftlicher Überlieferungen. Zu diesem Zweck sind wir seit August 2011 eingerichtet an der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) und angesiedelt bei der Staatsbibliothek zu Berlin.

Wo wir ansetzen

Schriftliche Dokumente sind aufgrund ihrer Materialität und durch äußere Faktoren gefährdet. Wasser, Schmutz, Schimmel und Schädlinge, aber auch chemische Zersetzungsprozesse zerstören ihre Substanz. Hinzu kommen unvorhergesehene Katastrophen wie der Brand der Weimarer Herzogin Anna Amalia Bibliothek 2004, der Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln 2009 oder die Brände im Nationalmuseum in Rio de Janeiro 2018 und in der Kathedrale Notre-Dame in Paris 2019, die die Anfälligkeit von Kulturgut deutlich vor Augen geführt haben.

Die Aufgabe, schriftliches Kulturgut dauerhaft vor diesen Gefährdungen zu schützen und sie langfristig zu erhalten, kommt Archiven, Bibliotheken, Museen und ihnen verwandten Einrichtungen zu. Doch häufig fehlen das Know-how oder die finanziellen Mittel, um Schriftgut bestmöglich zu lagern und zu sichern. Hinzu kommt, dass historische Bestände in Deutschland über alle Länder und verschiedene Einrichtungen verstreut sind. Die Menge an gefährdetem Material ist immens. Angesichts der Streuung und der Größe der Aufgabe kann die Erhaltung nur gemeinschaftlich, über Länder- und Spartengrenzen hinweg gelingen. Und hier kommen wir ins Spiel.

Was wir tun

Wir sind seit 2011 die zentralen Ansprechpartner∙innen für den bundesweit koordinierten Originalerhalt. Dies umfasst ein breites Spektrum an Aufgaben:

  • Wir agieren als Berater∙innen zwischen Fachwelt und Politik.
  • Mit unseren Förderprogrammen investieren wir in Projekte, die Schriftstücke nachhaltig sichern.
  • Wir informieren politische Gremien und Ausschüsse über aktuelle Maßnahmen und Innovationen.
  • Wir kooperieren länder- und spartenübergreifend und schaffen dadurch ein einzigartiges Expertennetzwerk.
  • Wir stärken das Bewusstsein für Originale und vermitteln, wie bedeutsam sie für unsere Geschichte und Zukunft sind.

Über die KEK-Modellprojektförderung und das BKM-Sonderprogramms wurden bisher rund 740 Projekte unterstützt und rund 15,6 Mio. Euro an Fördermitteln in den Originalerhalt investiert. Theoretische und strategische Arbeitsgrundlage sind seit 2015 die Bundesweiten Handlungsempfehlungen, eine erste umfassende Bestandsaufnahme schriftlichen Kulturguts in Deutschland, die den großen Bedarf in den Einrichtungen systematisch erfasst hat. Mit unseren Initiativen zur Netzwerkbildung haben wir Kooperation und Fachkompetenz in den letzten Jahren deutlich gestärkt. Zur fachlichen Unterstützung der Förderprojekte und der strategischen Planung steht uns ein Fachbeirat zur Seite, der mit Expert∙innen aus der Archiv- und Bibliothekssparte besetzt ist.

Die Förderinnen der KEK

Die KEK wurde auf Initiative des ehemaligen Kulturstaatsministers Bernd Neumann gegründet und wird durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) sowie durch die Ländergemeinschaft über die Kulturstiftung der Länder (KSL) finanziert. Für den Grundhaushalt der KEK wurden bis 2020 jährlich 500.000 Euro seitens BKM zur Verfügung gestellt. Die Ländergemeinschaft beteiligte sich über die KSL mit weiteren 100.000 Euro pro Jahr. 

Im Jahr 2021 ist der Länderanteil auf 150.000 Euro erhöht worden. BKM stellte 2021 insgesamt 3,5 Mio. Euro für die KEK-Grundfinanzierung sowie für die Förderlinien KEK-Modellprojektförderung und BKM-Sonderprogramm zur Verfügung.

Das BKM-Sonderprogramm für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts ermöglicht seit 2017, dass in Archiven und Bibliotheken größere Mengen an Akten und Bänden entsäuert, gereinigt und schutzverpackt werden können. Die Förderlinie ist 2017 mit einem Sondermittelvolumen von 1 Mio. Euro gestartet. 2018 wurde die Fördersumme auf 2,5 Mio. Euro und 2019 auf insgesamt 4,5 Mio. Euro erhöht. 2020 standen 3,8 Mio. Euro Sondermittel für Förderprojekte bereit. Die Förderung im BKM-Sonderprogramm ist an eine Kofinanzierung von mindestens 50 % gebunden, die meist aus Landesmitteln bestritten werden.

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Der Fachbeirat der KEK
Fachbeirat der KEK
Der Fachbeirat der KEK im Frühjahr 2019: Maria Elisabeth Müller, Dr. Alessandra Sorbello Staub, Prof. Dr. Mario Glauert, Dr. Johannes Kistenich-Zerfaß, Dr. Marcus Stumpf, Dr. Michael Vogel (v.l.n.r.). Nicht im Bild: Stephanie Preuss. © Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Hagen Immel

Die Arbeit der KEK wird durch einen siebenköpfigen Fachbeirat begleitet, zusammengesetzt aus Vertreter∙innen aus dem Archiv- und Bibliothekswesen. Gemäß der Geschäftsordnung unterstützt der Fachbeirat die Koordinierungsstelle bei der schrittweisen Umsetzung der "Bundesweiten Handlungsempfehlungen zur Erhaltung des schriftlichen Kulturguts". Darüber hinaus spricht der Fachbeirat Empfehlungen zu Projektförderungen aus. Die Mitglieder werden von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) im Einvernehmen mit der Kulturstiftung der Länder (KSL) für die Dauer von drei Jahren berufen.

Mitglieder des aktuellen Fachbeirats sind:

  • Dr. Johannes Kistenich-Zerfaß, Abteilungsleiter Hessisches Landesarchiv – Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, Vorsitzender des Bestandserhaltungsausschusses der Konferenz der Leiterinnen und Leiter der Archivverwaltungen des Bundes und der Länder (KLA) und Vorsitzender des Fachbeirats
  • Dr. Michael Vogel, Landesbeauftragter für Bestandserhaltung, Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Vorsitzender der Kommission Bestandserhaltung in der Sektion 4 des dbv und stellvertretender Vorsitzender des Fachbeirats
  • Prof. Dr. Mario Glauert, Leiter des Brandenburgischen Landeshauptarchivs
  • Maria Elisabeth Müller, Direktorin der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen und stellvertretende Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Regionalbibliotheken in der Sektion 4 des dbv
  • Stephanie Preuss, Referatsleiterin Bestandserhaltung, Fachbereich Benutzung und Bestandserhaltung an der Deutschen Nationalbibliothek und Mitglied der dbv-Kommission Bestandserhaltung
  • Dr. Alessandra Sorbello Staub, Leiterin der Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars Fulda, Sprecherin der Altbestandskommission des Verbands kirchlich-wissenschaftlicher Bibliotheken (VkwB) und Mitglied der dbv-Kommission Bestandserhaltung
  • Dr. Marcus Stumpf, Leiter des LWL-Archivamts für Westfalen Münster und Vorsitzender der Bundeskonferenz der Kommunalarchive beim Deutschen Städtetag

Vertreter der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), der Kultusministerkonferenz (KMK), der Kulturstiftung der Länder (KSL), der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) sowie der Staatsbibliothek zu Berlin (SBB) können an den Sitzungen des Fachbeirats als Gäste teilnehmen.

Weitere bisher in den Fachbeirat berufene Mitglieder waren: 

  • Dr. Ernst Otto Bräunche, Direktor des Stadtarchivs Karlsruhe 
  • Prof. Dr. Thomas Bürger, ehem. Generaldirektor der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB)
  • Dr. Rolf Griebel, ehem. Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek
  • Dr. Michael Hollmann, Präsident des Bundesarchivs
  • Prof. Dr. Robert Kretzschmar, ehem. Präsident des Landesarchivs Baden-Württemberg
  • Dr. h.c. (NUACA) Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz