Angesichts der anhaltenden Covid-19-Pandemie haben sich die Expert·innen auch in diesem Jahr digital zu Fragen des Originalerhalts in Archiven und Bibliotheken ausgetauscht. Per Videokonferenz haben 50 Teilnehmende am 22. September 2020 über die Fortschritte im Bereich Bestandserhaltung beraten. 

Förderlinien zum Originalerhalt – Rückblick auf 2021

Im Jahr 2021 gab es trotz Corona eine deutliche Überzeichnung in der KEK-Modellprojektförderung. Rund 530.000 Euro Fördermittel wurden beantragt, bewilligt werden konnten rund 480.000 Euro. Die Kulturstiftung der Länder (KSL) hat in diesem Jahr erstmals ihren Fördersatz um 50 % auf jährlich 150.000 Euro erhöht. Im nächsten Jahr wird es erneut einen themenoffenen Aufruf "Originale erhalten" geben, die Beantragungsphase startete im November 2021. Auch im BKM-Sonderprogramm ist eine starke Überzeichnung festzuhalten. Rund 3,9 Mio. Euro wurden beantragt, verfügbar waren lediglich rund 2 Mio. Euro. Das entspricht einer Überzeichnung der verfügbaren Mittel um 194 %. Deshalb wurde bei den Fachbeiratsempfehlungen nach der Staffelung "Schadensbehebung vor Schadenserfassung" priorisiert.

Säulendiagramm BKM-Sonderprogramm 2021

Dem Wunsch des VII. BW EG entsprechend wurden die fachlichen Ablehnungsbescheide in beiden Förderlinien erstmals länderspezifisch an die jeweiligen Landes- und Bundesexpert·innen versandt. Die Pandemie belastete auch in diesem Jahr das Fördergeschehen. Kapazitäts- und Materialengpässe auf Seiten der Dienstleister·innen sind ebenso zu nennen wie Preisschwankungen und ein erschwerter Mittelabfluss.

Aktuelle Entwicklungen in den Ländern

Das Expert·innengespräch bietet traditionell auch eine Plattform für den Austausch zwischen den einzelnen Bundesländern. Die Teilnehmer·innen informieren über den aktuellen Stand der Förderprojekte und die Entwicklung landeseigener Programme zum Originalerhalt. So ist aus Bayern zu berichten, dass 2021 bei der Förderung insbesondere der kommunale Bereich stark vertreten ist. Problematisch war für viele Archive der späte Versand der Zuwendungsbescheide, da für die Durchführung einjähriger Projekte nur wenig Zeit blieb. Bei der Qualität der Anträge ist eine Professionalisierung zu beobachten, was u. a. auf die jährlich stattfindenden Workshops zurückgeführt wird.

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Gute Beratung führt zu besseren Anträgen. © KEK

In Rheinland-Pfalz hat die Förderrunde 2021 komplett digital stattgefunden. Insgesamt 23 Einrichtungen wurden mit knapp 200.000 Euro unterstützt. Festzuhalten ist wie in vielen Bundesländern eine sehr starke Überzeichnung. Die Anträge werden diverser, der Schwerpunkt liegt jedoch weiter auf Restaurierungsmaßnahmen. Die Landesstelle bietet derzeit eine Sprechstunde zu Förderanträgen an und hat einen digitalen Workshop zum Antragsverfahren organisiert, der wiederholt werden soll. In Thüringen befindet sich das Landesprogramm Bestandserhaltung auf einem guten Weg. Ein Arbeitskreis hat eine Förderrichtlinie verfasst, die sich in der Abstimmung befindet und 2022 in Kraft treten soll. Außerdem wird eine Koordinierungsstelle Bestandserhaltung eingerichtet; im Landeshaushalt ist ein eigener Haushaltstitel in Höhe von 300.000 Euro jährlich vorgesehen.

Schriftliches Kulturgut in kirchlichen Einrichtungen

Unter Leitung von Dr. Alessandra Sorbello Staub wurde in diesem Jahr die Auswertung einer Umfrage der gemeinsamen Altbestandskommission der Arbeitsgemeinschaft Katholisch-Theologischer Bibliotheken (AKThB) und des Verbandes kirchlich-wissenschaftlicher Bibliotheken (VkwB) veröffentlicht. Sie stellt eine Ergänzung der Bundesweiten Handlungsempfehlungen (2015) um die Daten kirchlicher Träger·innen dar. Es wurden insgesamt 427 Einrichtungen angeschrieben und knapp 19 Mio. Medien erfasst.

An den Daten lässt sich die traditionell heterogene Struktur und die starke Dezentralität des Bereichs ablesen. Besonders die historischen Aufbewahrungsorte stellen eine große Herausforderung dar. Zur Verbesserung der Datenlage für kirchliche Einrichtungen ist eine Neukartierung erforderlich. Auch bei der Erschließung, insbesondere mit Blick auf historische Bestände, gibt es großen Optimierungsbedarf. Viele kirchliche Einrichtungen wünschen sich zudem eine stärkere Beratung zur Beantragung von Drittmittelprojekten. Alessandra Sorbello Staub stellt abschließend fest, dass "Auswertung als Baustein auf dem Weg, diesen Sorgen zu begegnen", zu sehen sei.

Aktuelles aus der KEK

Das Jahr 2021 steht ganz im Zeichen des 10-jährigen Jubiläums der Koordinierungsstelle. Einen Rückblick auf Entstehung und Entwicklung der KEK bieten der aktuelle Kalender und das Onlinemagazin. Unter dem Hashtag #10JahreKEK werden alle Aktivitäten rund um das Jubiläum auf Social Media gebündelt. Eine digitale Ausstellung in der Deutschen Digitalen Bibliothek erzählt anhand von zehn Objekten, wie Schriftgut für die Zukunft erhalten werden kann. Höhepunkt des Jubiläumsjahrs war die internationale Konferenz "Originalerhalt in Perspektive" am 23. und 24. November 2021. Ausgewählte Präsentationen werden in den nächsten Wochen auf YouTube veröffentlicht.

Wie kann Schriftgut für die Zukunft erhalten werden? Eine digitale Ausstellung zu #10JahreKEK.