Zahlen und Fakten

Bundesland
Ort
Halle (Saale), Deutschland
Jahr
2012
Institution
Förderlinie
KEK-Modellprojekte
Kategorie
Archivbestand
Träger
Maßnahme
Materialität
Fördersumme
5.950,00 Euro

Wachs, das heutzutage eher mit Kerzen oder Kosmetikartikeln in Verbindung gebracht wird, bewährte sich als Beschreibstoff in Europa bis in das Mittelalter und die Frühe Neuzeit hinein. In Städten wie Lüneburg, Schwäbisch-Hall oder Halle (Saale), deren Reichtum auf der Salzgewinnung beruhte, wurden wichtige Aufzeichnungen der Salzsieder in Wachsbüchern festgehalten. Man entschied sich für dieses Material, da es der salzhaltigen Luft rund um die Produktionsstätten besonders gut widersteht. Im Stadtarchiv Halle sind mehre Wachstafelbücher erhalten, in denen Besitz- und Lehensrechte der vier Solebrunnen des städtischen Hallmarkts aufgezeichnet sind. Im Laufe der Jahrhunderte entstanden Kratzer, Ablagerungen, Bruchstellen durch Austrocknung oder die Tafeln waren gänzlich aus ihrer Einfassung herausgefallen.

zerkratzter Ledereinband

Mit KEK Modellprojektmitteln wurde 2012 ein Wachstafelbuch des Gutjahrbrunnens erstmalig mit neuen Methoden restauriert. Die besondere Schwierigkeit lag in dem heute sehr selten genutzten Beschreibstoff und der noch seltener überlieferten Form der Wachstafelbücher. Es wurde eine passgenaue und innovative Methode entwickelt, bei der z. B. Bruchkanten "geschweißt" und brüchig gewordenen Tafeln mit neuem Wachs unterspritzt wurden. Das restaurierte Verzeichnis offenbart, dass viele Personen der hallensischen Stadtbürgerschaft von der Salzproduktion profitierten, so die einflussreiche evangelische Theologenfamilie Olearius. Ohne die Rettungsmaßnahme wäre ein Totalverlust der Informationen zu befürchten gewesen. Übrigens haben Aufzeichnungen auf Wachs auch einen Nachteil: Die einfache Manipulierbarkeit und Möglichkeit des Ausradierens machten es notwendig, von jedem der Bücher drei Exemplare vorzuhalten. Das jährliche Abgleichen, Tilgen und Eintragen in diese drei Bücher, das "Lehntafel halten", wie es 1793 in der "Beschreibung und Geschichte des Hallischen Salzwerks" beschrieben wurde, sei "nicht ohne Festlichkeiten" abgelaufen. Im Jahr 2020 sind mit Hilfe der neuen Methode acht weitere Wachstafelbücher restauriert worden.