Zahlen und Fakten

Bundesland
Ort
Halle, Deutschland
Jahr
2016
Förderlinie
KEK-Modellprojekte
Kategorie
Bibliotheksbestand
Träger
Gattung
Materialität
Überlieferungssegment
Fördersumme
7.600,00 Euro

Als die dänische Flotte Anfang des 17. Jhs. an der südindischen Koromandelküste landet, stößt ihre Besatzung auf eine jahrtausendealte Kultur. Deren Bindeglied, die tamilische Sprache, blickt auf die längste ununterbrochen bestehende Literaturtradition Indiens zurück. Die Dänen interessiert allerdings weit mehr die regionale Tuchproduktion. 1620 kauft die Dänische Ostindien-Kompanie das Örtchen Tranquebar vom Raja des benachbarten Thanjavur und gründet eine Handelskolonie. Ab dem 18. Jh. folgen protestantische Missionare, die nicht nur das Christentum zu verbreiten suchen, sondern auch Sprache, Kultur und Religion erforschen.

handschriftliches Wörterbuch

Unter ihnen ist Benjamin Schultze (1689–1760), der sich intensiv mit dem Tamil und einer weiteren südindischen Sprache befasst, dem Telugu. Um sich die Übersetzung seiner wöchentlichen Predigten zu erleichtern, erstellt er zwischen 1728 und 1732 ein umfangreiches "Wörterbuch Tamil-Telugu-Latein-Englisch". An ihm lassen sich z. B. Schultzes lexikalische Studien zum alttestamentarischen Buch Jeremia nachvollziehen. Von links nach rechts sind zu lesen: Englisch, Telugu, eine Lautschrift in lateinischen Buchtstaben, Tamil und Latein. Als Schüler des pietistischen Theologen und Pädagogen August Hermann Francke (1663–1727) hält Schultze engen Kontakt nach Halle. Seine und weitere Schriften der Dänisch-Halleschen Mission, auch Tranquebarmission genannt, zählen heute zum Bestand der Franckeschen Stiftungen. Die knapp 300 Jahre seit ihrer Entstehung haben den Quellen schwer zugesetzt. Tinte und Schimmel fressen sich durchs Papier, mehr und mehr Text geht verloren. Das ist umso beunruhigender, als viele der Schriften für die Erforschung der Kolonialzeit unersetzlich sind.

Die Sicherung von Schultzes Wörterbuch und fünf weiteren Handschriften der Halleschen Missionare gehen die Franckeschen Stiftungen in einem KEK-Modellprojekt an. Einbände werden rekonstruiert, Blätter trockengereinigt, Papiere gespalten und Fehlstellen ergänzt. Während die Schriften in Halle jetzt in säurefreien Archivkartons lagern, sind sie im indischen Tranquebar, das heute Tharangambadi heißt, als Digitalisate einsehbar.