Die Bibliothek des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas (IKGS) an der LMU München sammelt, sichert und erschließt hauptsächlich deutschsprachige Publikationen aus Südosteuropa. Ziel des Projekts Nimm ihm Saures! war es, den dauerhaften Originalerhalt von seltenen Monografien aus den aktuellen und ehemaligen deutschen Siedlungsgebieten Siebenbürgen und Banat im heutigen Rumänien sicherzustellen. Die ausgewählten Medien konzentrieren sich auf die Druckorte der Region, in denen es deutsche Verlage oder Verlage mit festem deutschsprachigem Programm gegeben hat. Sie sind überwiegend in deutscher Sprache verfasst und haben einen Bezug zur Geschichte und Kultur der deutschen Minderheit. Priorisiert wurden die Städte Kronstadt, Klausenburg, Hermannstadt, Temeswar, Karlsburg, Mühlbach, Mediasch, Schäßburg und Reschitza.

beschädigter Umschlag
Die Stadt Timișoara (dt. Temeswar, ung. Temesvár) gehört seit 1920 zu Rumänien. © IKGS

Die 850 Bände und 600 Kapselschriften stammen aus dem Zeitraum von Beginn des 19. Jahrhunderts bis 1990, der die reguläre Verwendung von säurehaltigem Papier umfasst. Die Säure führt dazu, dass das Papier über die Jahre vergilbt, an Elastizität verliert, schließlich brüchig wird und leicht einreißt. In Ost- und Südosteuropa war die Herstellung von säurehaltigem Papier länger verbreitet als in Westeuropa. Das Jahr 1990 hat als Umbruchsjahr daher eine doppelte Bedeutung: Zum einen erfolgte die Öffnung Richtung Westen und somit die Orientierung an neuen Standards in der Papierherstellung. Zum anderen mussten viele Verlage, oft ohne klaren Rechtsnachfolger, in den politisch schwierigen Zeiten schließen, sodass die Wiederbeschaffung der Druckerzeugnisse besonders aufwändig ist. Nicht nur die Papierqualität, sondern auch die Bindung der ausgewählten Werke machten konservatorische und restoratorische Maßnahmen nötig. Viele Bände waren nur in einen Papierumschlag oder gar nicht gebunden. Andere wiederum waren nur durch Metallklammern zusammengehalten und mussten zur Vermeidung von Rostschäden entmetallisiert und neu geheftet werden. Bei einigen Büchern wurden in Einzelseiten Fehlstellen ergänzt und Risse geschlossen. Besonders gravierende Fälle wie Mäusefraß machten eine deutlich aufwendigere Papierrestaurierung nötig.

Erst entsäuern, dann restaurieren 

Um einem drohenden Verfall vorzubeugen, eine Benutzung zu ermöglichen und den Originalerhalt sicherzustellen, mussten ca. 300 kg Bücher – das entspricht rund 1.500 Exemplaren – gereinigt, entsäuert und teilweise konservatorisch behandelt werden. Für diesen Umfang von rund 15 Regalmetern ausgewählter Bücher aus der IKGS-Bibliothek wurden Kosten von rund 70.000  € veranschlagt. Da das IKGS zu 100 % durch den Bund gefördert wird, musste kein Eigenanteil geleistet werden. Oberste Prämisse bei allen Restaurierungsmaßnahmen war immer der größtmögliche Originalerhalt.

Kapselschriften
Viele der wertvollen Kapselschriften wurden bis zu Beginn des Projekts in einfachen Leitz-Ordnern gelagert. © IKGS

Im September 2019 wurden die 1.500 Bücher durch einen Dienstleister abgeholt und gereinigt. Anschließend wurde zwischen Büchern, die für die Entsäuerung geeignet waren, und Büchern, deren Papier entweder bereits zu stark abgebaut war oder durch die Entsäuerung zu großen Schaden genommen hätte, selektiert. Die anschließende Entsäuerung, bei der die Bücher zuerst mit der Entsäuerungslösung getränkt und dann ca. vier Wochen rekonditioniert wurden, sorgte für eine Neutralisation der im Holzschliffpapier enthaltenden Säuren und pufferte das Papier mit einer alkalischen Reserve. Dadurch wurde die Lebensdauer des Papiers vervierfacht. Im nächsten Schritt wurden an 374 Bänden größere restauratorische Arbeiten durchgeführt. Neue Einbände wurden angefertigt und Buchrücken repariert, die wegen falscher Lagerung oder Handhabung Beschädigungen aufwiesen.

Seltene Bücher wurden gesondert behandelt

Für besonders schöne oder seltene Bücher wurden passgenaue Schuber aus säurefreiem Karton hergestellt, um diese im Regal vor dem Abrieb durch benachbarte Bücher zu schützen. 600 seltene Kapselschriften wurden in säurefreie Schutzumschläge verpackt und werden nun zur schonenderen Lagerung liegend in speziellen Archivboxen aufbewahrt. Für diejenigen Bücher, die aufgrund des Papierzustands nicht entsäuert werden konnten, aber auch für urheberrechtsfreie Bücher aus dem Projekt wird nun eine Digitalisierung angestrebt, u. a. in Kooperation mit der Bayerischen Staatsbibliothek. Durch die Unterstützung der KEK werden die seltenen Bücher durch die erfolgte Entsäuerung und Restaurierung in der IKGS-Bibliothek die nächsten Jahrhunderte als Originale erhalten bleiben. Als Digitalisate werden sie bald weltweit zugänglich gemacht.