Zahlen und Fakten
Die Landesbibliothek Oldenburg (LBO) verfügt über eine Sammlung von rund 1.000 Einzelfragmenten, die aus ca. 530 größeren Fragmentkontexten stammen. Alle Objekte sind sogenannte Handwerksfragmente, überwiegend Einbandmakulatur, die im Zuge von Buchrestaurierungen im Altbestand der LBO seit den 1980er Jahren von früheren Trägern abgelöst wurden. Da die aktuelle Restaurierungspraxis die überlieferten Einbände in den Originalerhalt der Objekte einbezieht, sind heute nur noch geringe Zugänge zur Sammlung zu verzeichnen.
Die Fragmente der LBO datieren auf das 11. bis 18. Jahrhundert und sind unterschiedlicher europäischer Herkunft. Bei den überwiegend handschriftlichen Einbandfragmenten handelt es sich um unikale Objekte. Darunter ein vollständig als Buchumschlag verwendetes Urkundenkonzept aus dem 14. Jahrhundert, bei dem es sich um eine von bislang nur etwa einem halben Dutzend bekannter Urkunden des italienischen Klosters San Severo in Orvieto handelt. Ein weiterer Schatz der Fragmentsammlung sind die Bestandteile von Briefen, die vom umfangreichen Austausch zwischen zwei dänischen Bischöfen des 16. Jahrhunderts zeugen. Doch nur in Spezialfällen kommt Einzelfragmenten eine solch eigenständige Aussagekraft zu. In den meisten Fällen einfalten die Fragmente erst ihre Bedeutung, wenn sie in größeren Mengen zusammenführt, erschlossen und zugänglich gemacht werden. So wird die zunehmende Befüllung des Forschungsportals "Fragmentarium" Forschenden perspektivisch neues Quellenmaterial zur Verfügung stellen. Die Neuverpackung der Fragmente ist dafür eine notwendige Voraussetzung.
Bislang wurden die Einzelfragmente anhand ihrer Herkunftsregionen gruppiert und ohne Unterscheidung von Einband-, Handschrift-, Druck- oder auch Objektfragmenten größtenteils lose gelagert. Weder signiert noch katalogisiert sind die Stücke nicht für die Forschung unzugänglich und in ihrer Existenz für potenzielle Nutzende de facto unsichtbar. Darüber hinaus sind sie aufgrund der mangelhaften Lagerung einer konstanten Gefährdung durch Verlust, Vergessen oder konservatorischen Verfall ausgesetzt. Mit Mitteln des BKM-Sonderprogramms wurde die Aufbewahrungssituation der Fragmente durch eine Neuverpackung verbessert und so die Voraussetzung für eine Erschließung- und Digitalisierung geschaffen.