In den Ländern gibt es in wachsender Zahl einrichtungs-  und spartenübergreifende Programme und Projekte zur Bewahrung bedrohter Bestände schriftlichen Kulturguts in Archiven und Bibliotheken. Besonders die 2015 verabschiedeten "Bundesweiten Handlungsempfehlungen zur Erhaltung des schriftlichen Kulturguts" und die Einführung des BKM-Sonderprogramms im Jahr 2017 haben maßgeblich als Motor für die Entwicklung von Landeskonzepten und -programmen gewirkt.

Baden-Württemberg
Handschrift
Durlacher Amtsbuch; © Stadtarchiv Karlsruhe

Baden-Württemberg hat das älteste Landesprogramm aller Bundesländer. Das spartenübergreifende "Landesrestaurierungsprogramm" wurde bereits 1986 von der Landesregierung beschlossen. Kern des Programms ist das Institut für Erhaltung von Archiv- und Bibliotheksgut (IfE) des Landesarchivs mit seinen Werkstätten für Restaurierung und Konservierung sowie für Mikroverfilmung gefährdeter Bücher oder Archivalien. Das IfE fungiert sowohl als Zentralwerkstatt als auch als Koordinierungsstelle im Land. Erkenntnisse aus der Praxis wie aus eigenen Forschungen werden in Fortbildungsveranstaltungen oder in Form von Notfallübungen an die Häuser des Landes weitergegeben.

Im Zuge des Landesrestaurierungsprogramms werden jährlich Gelder für Archive und Bibliotheken in Trägerschaft des Landes bereitgestellt, die im Haushalt des Landesarchivs etatisiert sind. Der Schwerpunkt des Programms liegt auf Maßnahmen wie sachgerechter Verpackung, Entsäuerung, Trockenreinigung, Restaurierung sowie die Sicherungsverfilmung bzw. -digitalisierung. Die Landesmittel werden auch für die Kofinanzierung der Projektanträge bei der KEK genutzt.

Bestandserhaltungsprojekte von Einrichtungen in kommunaler Trägerschaft können derzeit nicht finanziell gefördert werden. Dies leistet jedoch die landeseigene Stiftung Kulturgut. Sie kann auf Basis der Förderrichtlinien auch für Kommunen und andere nichtstaatliche Einrichtungen wie Kirchen und Adelsarchive Fördermittel bereitstellen und dort zum Einsatz kommen, wo das Landesprogramm nicht greift. Als Nationales Kulturgut zählen dem Kulturgutschutzgesetz gemäß auch die als Deposita verwahrten Adelsarchive.

 

Bayern

Ein Landesprogramm zur Förderung von Einzelprojekten besteht derzeit nicht. Das Land stellt aber reguläre Haushaltsmittel für die Bayerische Staatsbibliothek (einschließlich der staatlichen regionalen Bibliotheken) und die staatlichen Archive zur Verfügung, die auch für KEK-Projekte genutzt werden. Die Bayerische Staatsbibliothek und die Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns stehen den kommunalen und sonstigen nichtstaatlichen Bibliotheken und Archiven beratend zur Seite und sind für die Vorprüfung der Anträge im BKM-Sonderprogramm zuständig.

Für die Bibliothekssparte nimmt das an der Bayerischen Staatsbibliothek (BSB) angesiedelte Institut für Bestandserhaltung und Restaurierung (IBR) als ein zentrales Kompetenzzentrum für die Erhaltung des schriftlichen Kulturerbes eine wichtige Funktion ein. Es betreut die Bestände der BSB und berät die staatlichen regionalen Bibliotheken und Universitätsbibliotheken in Fragen um den Altbestand und Restaurierungs- und Bestandserhaltungsleistungen.

Maßgebliche Strategiepapiere für den Bestandserhalt bilden die Empfehlungen zur "Erhaltung, Archivierung und Aussonderung von Druckschriften in Bayern" (1998) und ein 2010 vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst vorgelegtes Konzept für die Sicherung gefährdeten Archiv- und Bibliotheksguts.

Berlin

Im Herbst 2006 wurde das Kompetenzzentrum Bestandserhaltung für Archive und Bibliotheken in Berlin und Brandenburg (KBE) gegründet und an der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) angesiedelt. Die Gründung geht zurück auf eine gemeinsame Initiative der Senatskanzlei Kulturelle Angelegenheiten des Landes Berlin sowie des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg. Das KBE hat als regionale Initiative das Ziel, den Originalerhalt für Archive und Bibliotheken strukturell zu verbessern. Der Schwerpunkt liegt damit in erster Linie beim Ausbau des Netzwerkes der Bibliotheken und Archive der beiden Bundesländer. Darüber hinaus leistet das KBE Beratung vor Ort und bestreitet ein breites Fortbildungsangebot.

Zur Kofinanzierung des BKM-Sonderprogramms werden von der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa Fördermittel von derzeit 300.000 Euro bereitgestellt (Stand 2020). Diese können von Archiven, Bibliotheken, Museen und Gedenkstätten in Trägerschaft des Landes beantragt werden. Förderfähig sind sämtliche Maßnahmen des BKM-Sonderprogramms, d. h. Massenentsäuerung, Trockenreinigung, Schutzverpackung und Restaurierung. Die Prüfung der Projektanträge erfolgt durch den Fachbeirat des KBE. Ein Berliner Landeskonzept zum Originalerhalt ist derzeit in Arbeit.

Brandenburg

Im Herbst 2006 wurde das Kompetenzzentrum Bestandserhaltung für Archive und Bibliotheken in Berlin und Brandenburg (KBE) gegründet und an die Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) angesiedelt. Die Gründung geht zurück auf eine gemeinsame Initiative der Senatskanzlei Kulturelle Angelegenheiten des Landes Berlin sowie des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg. Das KBE hat als regionale Initiative zum Ziel, den Originalerhalt für Archive und Bibliotheken strukturell zu verbessern. Der Schwerpunkt liegt damit in erster Linie beim Auf- und Ausbau des Netzwerkes der Bibliotheken und Archive der beiden Bundesländer. Darüber hinaus leistet das KBE Beratung vor Ort und bestreitet jährlich ein breites Fortbildungsangebot.

Ein spartenübergreifendes Landesprogramm für Brandenburg existiert derzeit noch nicht. Zur Kofinanzierung der Projekte im BKM-Sonderprogramm verfügt das Landeshauptarchiv Brandenburg über eigene Haushaltsmittel. Zusätzlich unterstützt das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur brandenburgische Einrichtungen, indem es Anträge für das BKM-Sonderprogramm kofinanziert.

Interessierte Einrichtungen können sich neben der KBE auch von der Landesfachstelle für Öffentliche Bibliotheken und Archive an der Fachhochschule Potsdam beraten lassen. Diese unterstützt als Einrichtung der Fachhochschule den Wissenstransfer zwischen Hochschule und archivischer und bibliothekarischer Praxis im Land Brandenburg. Die Landesfachstelle berät Archive und öffentliche Bibliotheken in allen Fachfragen und bietet Fortbildungen an.

 

Bremen

Das Land Bremen stellt keine gesonderten Mittel für den Originalerhalt des schriftlichen Kulturguts der wissenschaftlichen Bibliothek zur Verfügung. Die wissenschaftlichen Bibliotheken in Bremen erhalten ihre Landesmittel im Rahmen des so genannten Globalhaushaltes.

Hamburg

Seit 2006 widmet sich in Hamburg die Behörde für Kultur und Medien dem Originalerhalt, beispielsweise durch eine Bestandsaufnahme zum Säuregehalt in den Beständen des Staatsarchivs. Die beiden zentralen Einrichtungen, Staatsarchiv Hamburg und Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg – Carl von Ossietzky, bekommen für die Bestandserhaltung verstetigte Haushaltsmittel zugewiesen, die diese selbstständig verausgaben. In diesem Verfahren wurden seitdem umfassende Mittel für beide Einrichtungen bereitgestellt, die teilweise an andere öffentliche Einrichtungen weitergegeben werden können oder zur Kofinanzierung von Projekten bei der KEK genutzt werden.

Hessen

Auf Basis der "Bundesweiten Handlungsempfehlungen“ (2015) verfolgt das Land Hessen das Ziel, dem fortschreitenden Verlust des kulturellen Gedächtnisses in den Archiven und Bibliotheken nachhaltig entgegenzuwirken.

Die hessische Landesregierung stellte im Rahmen des Förderprogramms in den Haushaltsjahren 2018 und 2019 jeweils 1 Mio. Euro für Maßnahmen zum Originalerhalt von Archiv- und Bibliotheksgut bereit. Für das Jahr 2020 wurden die Mittel auf 1,5 Mio. Euro erhöht. Antragsberechtigt sind öffentliche Archive und Bibliotheken in Trägerschaft des Landes Hessen, der hessischen Hochschulen sowie der Landkreise, Städte, Gemeinden und Kirchen im Land Hessen. Gefördert werden vor allem Mengenverfahren wie die Massenentsäuerung, die (Trocken-)Reinigung sowie die Verpackung von Archiv- und Bibliotheksgut. Nachrangig können auch die Restaurierung von wertvollen Einzelobjekten und die Erstellung von Schutzmedien gefördert werden. Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst fördert Projekte, die die Förderkriterien erfüllen mit bis zu 80 % der Gesamtkosten.

Die Koordinierungsstelle Bestandserhaltung Hessen (KBH) berät über Fördermöglichkeiten im Rahmen des Landesprogramms sowie zum BKM-Sonderprogramm. Die KBH wird durch zwei Bereichskoordinationen unterstützt,  jeweils eine für die beiden Sparten Bibliothek und Archiv.

Mecklenburg-Vorpommern

Seit 2017 stellt das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur im Rahmen des Landesprogramms "Sicherung von schriftlichen und audiovisuellen Kulturgütern Mecklenburg-Vorpommern" zusätzliche Haushaltsmittel für Zuwendungen zur Projektförderung bereit. Innerhalb dieses Landesprogrammes können Projekte gefördert werden, bei denen einzigartige schriftliche und audiovisuelle Kulturgüter mit einer erheblichen Bedeutung für das Land Mecklenburg-Vorpommern vor Beschädigung, Verlust oder Vernichtung bewahrt bzw. ihre Erhaltung, dauernde Aufbewahrung und Benutzbarkeit gewährleistet werden können.

In diesem Rahmen können z.B. Zuwendungen für Konservierungsmaßnahmen durch Reinigung oder Entsäuerung, für Verfilmung oder Digitalisierung, um Originale zu schonen sowie für Restaurierungen zur Wiederherstellung oder Verhinderung von Verlusten ausgereicht werden. Zuwendungsempfänger können Einrichtungen sein, die sich um die Bewahrung des Kulturgutes kümmern, beispielsweise Bibliotheken, Archive, Museen sowie Kirchen.

Niedersachsen

Seit 1989 werden zentrale Mittel des Landes Niedersachsen für Bestands­erhaltungsmaßnahmen an niedersächsischen Bibliotheken ausgeschüttet. Seit Beginn des Programms berät die Arbeitsgruppe Bestandserhaltung des Niedersächsischen Beirats für Bibliotheksangelegenheiten das Ministerium für Wissenschaft und Kultur bei den jeweiligen Förderentscheidungen. Unter dem Vorsitz der Universitätsbibliothek Osnabrück, beteiligen sich an der Arbeitsgruppe Vertreter von vier weiteren Bibliotheken: Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, Gottfried Wilhelm Leibniz-Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek Hannover, Landesbibliothek Oldenburg sowie Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel. Die Arbeitsgruppe formuliert Vorschläge zur Förderung von Maßnahmen zur Konservierung und Restaurierung wertvoller Bestände in den wissenschaftlichen Bibliotheken des Landes.

Als zentrale Beratungsstelle für interessierte Institutionen fungiert die Landesfachberatung Bestandserhaltung der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel. Niedersächsische Landeseinrichtungen, die zentrale Fördermittel für Bestandserhaltungsprojekte beantragen möchten, müssen die Landesfachberaterin vor jedem (neuen) Antrag verpflichtend konsultieren. Darüber hinaus können sich auch andere Kulturinstitutionen, die weder über eine eigene Werkstatt noch über genügende Fachkompetenz verfügen, sowie Privatpersonen zu allen Fragen der Bestandserhaltung beraten lassen.

In den letzten Jahren ist es zunehmend gelungen, aus anderen Fördermitteln die Komplementärfinanzierung für das Förderprogramm der KEK bereitzustellen, die Archiven und Bibliotheken zugutekommt.

Nordrhein-Westfalen
Archivregal
Im BKM-Sonderprogramm 2018 wurde die Massenentsäuerung regionaler Zeitungen aus Düsseldorf gefördert.

Das Land befasst sich seit dem Jahr 2006, dem Gründungsjahr der Landesinitiative Substanzerhalt (LISE), mit der Erhaltung des kulturellen Kulturguts. Die Förderung bezieht sich derzeit ausschließlich auf die Massenentsäuerung von Archivgut in nichtstaatlichen Einrichtungen. Partner des Landes sind die beiden Kommunalverbände Landschaftsverband Rheinland (LVR) und Landschaftsverband Westfalen (LWL), zu deren Aufgaben die Archivberatung für kommunale und private Archive gehört.

Als Ansprechpartner für die Landesinitiative stehen im LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum und im LWL-Archivamt für Westfalen restauratorische Fachkräfte zur Verfügung, die in Entsäuerungsfragen beraten und im operativen Bereich die Entsäuerungsaufträge der an der LISE teilnehmenden Archive koordiniert sowie fachlich und organisatorisch betreut. Die Massenentsäuerung wird derzeit mit 60 % der Kosten über die LISE gefördert. Bei erstmaliger Beteiligung eines Archivs beträgt der Fördersatz einmalig 70 %. Ab 2021 werden die Landschaftsverbände im Rahmen der LISE auch die Bearbeitung der Anträge des BKM-Sonderprogramms übernehmen, soweit Archive die Antragsteller sind.

Ein Landesprogramm für Bibliotheken existiert derzeit nicht.

Rheinland-Pfalz
Buchregal
Gründungsbestand der Pfälzischen Landesbibliothek Speyer © Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz

Seit 2013 bemüht sich auch das Land Rheinland-Pfalz um eine koordinierte Arbeit bei der Erhaltung des schriftlichen Kulturgutes in Archiven, Bibliotheken und Museen und unterstützt von Seiten des Landes die Arbeit der einzelnen Kulturgut be­wahrenden Einrichtungen. Zunächst war eine Arbeitsgruppe im zuständigen Minis­terium berufen worden, die 2015 eine detaillierte Ist-Analyse vorlegte und darauf aufbauend eine Landeskonzeption und ein Förderprogramm erarbeitete. Um den Prozess der Bestandserhaltung zu stärken und zu professionalisieren, hat das Kulturministerium Ende 2018 einen landesweiten Fachbeirat  berufen. Zeitgleich wurde die Landesstelle Bestandser­haltung in Rheinland Pfalz (LBE) im Landesbiblio­thekszentrum Rheinland-Pfalz eingerichtet und ist derzeit mit 1,5 Stellen besetzt.

Die LBE hat folgende Aufgabenschwerpunkte:

  • Fachliche Beratung auf Anfrage und „aufsuchend“(per Mail, telefonisch und vor Ort)
  • Angebot von Fortbildungen
  • Informationsaufbereitung und –vermittlung durch verschiedene Maßnahmen, z.B. Newsletter, Website
  • Auf- und Ausbau des Netzwerkes der Einrichtungen
  • Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit für die „Bestandserhaltung“

Förderprogramm:

In den Jahren 2019/2020 wurden vom Land Rheinland-Pfalz erstmals Maßnahmen zur Erhaltung des schriftlichen Kulturgutes durch zusätzliche Haushaltsmittel geför­dert; bislang konnten 29 Einrichtungen gefördert werden (Stand Juni 2020). Die Erfahrungen dieser Pilotphase werden evaluiert mit dem Ziel, das Förderprogramm ab 2021 zu verstetigen, Basis des Förderprogramms ist die Landeskonzeption. Die LBE wickelt das gesamte Förderverfahren ab.

Saarland

Das Land Saarland stellt keine gesonderten Mittel für den Originalerhalt des schriftlichen Kulturguts in Bibliotheken und Archiven zur Verfügung.

Sachsen
Leicht geöffneter, weitgehend verblockter Buchblock mit schollenartiger Ablösung des stark geschädigten Hadernpapiers; © Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden

In Sachsen besteht seit 1996 eine Landesstelle für Bestandserhaltung, die 1998 ein Strategiepapier für den Originalerhalt bedeutender Bestände in sächsischen Bibliotheken vorgelegt hat. Die Landestelle war zunächst ausschließlich für die Sparte der wissenschaftlichen Bibliotheken zuständig, agiert aber mittlerweile auch darüber hinaus und unterstützt Einrichtungen in allen Fragen des Bestandsschutzes. Die Landesstelle fördert und koordiniert Projekte in den Bereichen Restaurierung, Massenentsäuerung, Konvertierung, Beschaffung von Schutzboxen. Bedingt durch die Hochwasserkatastrophe in Sachsen im Jahr 2002 widmet sich die Landesstelle auch der Notfallprävention, beispielsweise durch Notfallpapiere, Veranstaltungen und die Beschaffung von Notfallboxen.

Für sächsische Einrichtungen stellt die Landesstelle in Abstimmung mit dem Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst die Kofinanzierung für Förderung von Projekten im BKM-Sonderprogramm bereit. Von beantragenden Einrichtungen wird ein angemessener Eigenanteil erwartet.

Darüber hinaus betreibt die Landesstelle Netzwerkarbeit und veranstaltet die regelmäßig stattfindenden Sächsischen Werkstatttage für Bestandserhaltung. Sie sollen das Bewusstsein für die Aufgaben der Erhaltung des schriftlichen Kulturguts schärfen und die Einrichtungen dabei unterstüzten, das Landesprogramm in die Praxis umzusetzen.

Ein Landesprogramm bzw. eine Landesstelle für die Archivsparte existiert in Sachsen nicht.

 

Sachsen-Anhalt
Handschrift Missionare
Foto © Franckesche Stiftungen zu Halle

Für Sachsen-Anhalt ist im Juli 2018 ein spartenübergreifendes Konzept zur Erhaltung und Digitalisierung des schriftlichen Kulturgutes in Sachsen-Anhalt veröffentlicht worden, das 2019 in ein Programm überführt wurde. Ziel ist es, Originalerhalt und Digitalisierung gemeinsam zu denken. Für die Haushaltsjahre 2020 und 2021 wurden Fördermittel in Höhe von 50.000 Euro bzw. 150.000 Euro für ein Landesprogramm bewilligt. Gefördert werden vor allem Projekte zur Massenentsäuerung. Das Ministerium für Inneres und Sport bewertet die entsprechenden Anträge. Eine Landesberatungsstelle befindet sich gegenwärtig nicht im Aufbau.

Schleswig-Holstein

Das Land Schleswig-Holstein hat auf die seit 2010 der KEK zugewiesenen Bund-Länder-Mittel rasch reagiert und ein eigenes Landesprogramm zum Erhalt schriftlichen Kulturguts aufgelegt. Im Juni 2012 legte eine Expertenkommission, die durch das Kulturministerium beauftragt wurde, zudem ein Landeskonzept vor. Das Landeskonzept dient seitdem als Grundlage des installierten Landesprogramms. Neben einer finanziellen Unterstützung bei der Durchführung von Maßnahmen in Archiven und Bibliotheken ist darin auch eine angemessene Personalausstattung vorgesehen.

Die bereitgestellten Mittel des Landesprogramms sollen gezielt eingesetzt werden, um das landesweit bedeutende schriftliche Kulturgut in staatlichen und nichtstaatlichen Archiven und Bibliotheken zu sichern. Gefördert werden Maßnahmen, die dazu dienen, die Schäden des schriftlichen Kulturgutes in Archiven und Bibliotheken zu erfassen, es dauerhaft vor Zerstörung zu bewahren und bereits vorhandene Schäden zu beheben sowie Projekte zur Netzwerkbildung, Fortbildung und Notfallprävention. Die Verteilung der Mittel wurde und wird von einem Fachbeirat für Bestandserhaltung koordiniert.

Thüringen

Ein dezidiertes Landesprogramm für die Erhaltung schriftlicher Originale befindet sich derzeit in der Vorbereitung. Im Haushaltsjahr 2020 wurden Landesmittel für Vorhaben zur Digitalisierung und für Maßnahmen zur Bestandserhaltung schriftlichen Kulturgutes bereitgestellt. Darin enthalten sind Mittel zur Kofinanzierung von Anträgen im Rahmen des BKM-Sonderprogramms. Die Mittel stehen für die Erhaltung von Archivgut kommunaler, kirchlicher und sonstiger Einrichtungen, beispielsweise Stiftungen, zur Verfügung und können für die Massenentsäuerung, Trockenreinigung und Verpackung genutzt werden.

Auf Initiative des Kulturrats Thüringen wurde zudem ein Konzept zur Notfallvorsorge in Kultureinrichtungen wie Museen, Bibliotheken und Archive erarbeitet. Dieses Konzept sieht vor, dass das Land Thüringen Material für die Notfallvorsorge und für die Schadensbewältigung beschafft, Fortbildungen angeboten werden, um die Gründung von Notfallverbünden zu fördern, und die Abstimmung mit den Feuerwehren verbessert wird.

Eine wichtige Funktion im Bereich Originalerhalt nimmt die Werkstatt der Anna Amalia Bibliothek ein, in der nach dem Brand von 2004 wichtige Verfahren für die Schadensbewältigung entwickelt wurden. In Kooperation mit der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) wird sie seit 2019 als Lehrwerkstatt genutzt. Diese soll perspektivisch als Teil eines Fachzentrums und einer Servicestelle weiterentwickelt werden und damit auch als Dienstleister zur Erhaltung beschädigter und abgebauter Papiere für öffentliche und kirchliche Einrichtungen tätig sein.

Einen gegenüber der öffentlichen Hand beachtlichen Anteil an der finanziellen Unterstützung des Originalerhalts leisten zudem die private Hand – beispielsweise mit der Übernahme von Buchpatenschaften – und auch die Wirtschaft. Ohne das bürgerschaftliche Engagement und den Einsatz der freien Wirtschaft würde eine tragende Säule fehlen.

Weiterhin engagieren sich Stiftungen mit Initiativen für den Erhalt des schriftlichen Kulturguts. Genannt sei hier zum Beispiel das Engagement der Kulturstiftung der Länder (KSL), die neben der regulären KEK-Förderung auch eine eigene Förderlinie für restauratorische und konservatorische Maßnahmen ausgerufen hat.