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Stark abgebautes Papier

Absätze

Anzeichen

Stark abgebautes Papier fühlt sich weich, wattig und fragil an, wenn der Abbau durch einen Wasserschaden mit Schimmelbefall hervorgerufen wurde. Liegt der Abbau in der Säurehaltigkeit eines modernen Papiers begründet, ist das Papier zumeist unflexibel und brüchig.

Papier mit Schimmelbefall
Papier mit Schimmelbefall © Hessisches Landesarchiv

Schädigungsgrade

Bei geringen Schädigungen kann das Papier durch einige restauratorische Maßnahmen wieder flexibilisiert und gefestigt werden. Es gibt jedoch auch Abbaugrade, bei denen mit diesen Techniken nicht mehr viel auszurichten ist. Dies trifft etwa auf Brandschäden oder stark verbräuntes Zeitungspapier zu. In diesen Fällen ist nur mit den aufwändigeren Verfahren der Anfaserung, Papierspaltung oder des Übervliesens mit Flachsfasern ein Festigungserfolg zu erzielen. Da diese Methoden sehr kostenintensiv sind, sollte abgewogen werden, für welche Objekte sich solch eine Intervention lohnt. Auch ist zu bedenken, dass diese Prozesse sehr starke Eingriffe in die Originalsubstanz bedeuten. Die Benutzung stark abgebauter Originale ist zu sperren oder stark einzuschränken. Die Einsichtnahme ist durch Digitalisieren und Verfilmen sicherzustellen.

 

  • Stark abgebautes Papier fühlt sich weich, wattig und wenig stabil an, aber auch unflexibel und brüchig
  • Brandschäden und zu stark abgebautes Papier sind mit herkömmlichen Methoden nicht restaurierbar
  • Der intrinsische Wert (Quellenwert) sollte geprüft werden, bevor aufwändige Restaurierungsmaßnahmen folgen
  • Die Benutzung von stark abgebautem Papier ist durch Digitalisierung und Verfilmung sicherzustellen

Restauratorische Maßnahmen

Merkmale

  • Bäder in demineralisiertem und carbonisiertem (angereichertem) Wasser
  • Nachleimung im Bad mit Gelatine oder Methylcellulose

Vorteile

  • Flexibilisierung
  • Auswässern von Abbauprodukten
  • Festigung

Nachteile

  • Einzelblattbehandlung
  • Arbeitsschritte: Bindung auflösen, Trockenreinigung, mehrere Wasserbäder, Trocknen, Nachleimen, Trocknen, Papierrestaurierung, Glätten, Binden

Merkmale

  • Anfasern von Fehl- und Schwachstellen mit Papierfasern im Verfahren des Papierschöpfens

Vorteile

  • keine starken Übergänge zwischen neuem und originalem Material
  • Festigung
  • Flexibilisierung

Nachteile

  • Einzelblattbehandlung
  • großer zeitlicher Aufwand
  • Arbeitsschritte: Bindung auflösen, Trockenreinigung, mehrere Wasserbäder, Trocknen, Anfasern, mehrere Trocknungen, Glätten, Binden

Merkmale

  • Übervliesen von fragilen Papieren mit feinen Flachs- oder Japanpapierfasern

Vorteile

  • hohe Festigung (z. B. Zeitungspapier, Brandschäden)

Nachteile

  • sichtbare Fasern
  • Volumenzunahme des Originals
  • noch größerer zeitlicher Aufwand
  • Arbeitschritte: Bindung auflösen, Trockenreinigung, mehrere Wasserbäder, Trocknen, Anfasern, Überfliesen, mehrere Trocknungen, Glätten, Binden

Merkmale

  • Spalten des Papiers in zwei Hälften
  • Einkleben eines festigenden Kernpapiers

Vorteile

  • Festigung selbst stark abgebauter Papiere (z. B. Brandschäden)

Nachteile

  • zumeist Anfaserung vorher notwendig
  • großer Eingriff in Originalsubstanz
  • sehr großer zeitlicher Aufwand
  • Arbeitschritte: Bindung auflösen, Trockenreinigung, mehrere Wasserbäder, Trocknen, Anfasern, mehrere Trocknungen, Trägerpapiere aufkleben, Spalten, Enzymbehandlung, Glätten, Binden

Quelle

  • Kobold, Maria; Moczarski, Jana; Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt; Hessisches Landesarchiv (Hrsg.) (2020): Bestandserhaltung: ein Ratgeber für Verwaltungen, Archive und Bibliotheken. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage, Darmstadt, ISBN 978-3-88443-058-3. DOI: 10.25534/tuprints-00011407
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