Zahlen und Fakten

Bundesland
Ort
Wiesbaden, Deutschland
Jahr
2023
Förderlinie
Träger
Schadensbild
Gattung
Überlieferungssegment
Fördersumme
20.126,00 Euro

Die Hochschul- und Landesbibliothek RheinMain ist seit 1814 Pflichtexemplarbibliothek – zunächst für das Herzogtum Nassau, später für den preußischen Regierungsbezirk Wiesbaden und seit 1945 für sieben Landkreise im Bundesland Hessen. Nachdem das regionale Pflichtexemplarrecht während der NS-Zeit nur lückenhaft wahrgenommen wurde, setzte im Sommer 1945 mit dem Amtsantritt Franz Göttings (1905–1973) eine erfolgreiche Wiederaufbauphase der Bibliothek ein. Der heute nachweisbar hohe Abdeckungsgrad beim regionalen Pflichtexemplar ab 1945 ist ein Ergebnis dieser günstigen Entwicklung. Der Aufschwung der Bibliothek traf damals auf eine überaus lebendige Verlagsszene vor allem in Wiesbaden.  

Am 30. Mai 1945 hatte die US-Militärregierung mehrere renommierte und politisch unbelastete Verlage aus Leipzig eingeladen, sich im vergleichsweise wenig zerstörten Wiesbaden anzusiedeln, das zudem über die intakte Schellenbergsche Druckerei verfügte. Am 12. Juni traf daraufhin eine LKW-Kolonne aus Leipzig ein: Neue Mieter·innen im leerstehenden Pariser Hof wurden die Verlage Insel, Dieterich, Thieme und Brockhaus. Als Neugründung gesellte sich der avantgardistische Limes-Verlag hinzu. Die Verfügbarkeit von Papier und der kurze Draht zur amerikanischen Zulassungsbehörde entfalteten eine Sogwirkung, die noch mehr große Häuser anlockte und der Stadt ein blühendes literarisches Leben bescherte. Mit Jos. Scholz-Mainz war zudem ein bedeutender Kinderbuchverlag in der Stadt ansässig. Der hohe Zuwachs bei den Pflichtexemplaren wurde aber nicht nur durch diese Verlagsproduktion, sondern auch durch die von den US-Besatzungsbehörden geförderte Literatur im Rahme der "Re-education" erzielt, in der während der NS-Zeit mundtot gemachte Künstler wie Gottfried Benn wieder zu lesen waren. Diese wurden bald abgelöst durch Vorläufer der Popkultur: So erschienen "beat poets" wie William S. Burroughs, Truman Capote oder Jack Kerouac erstmals in deutscher Übersetzung. 

Alle Pflichtexemplare dieser Epoche teilen den Befund Säurefraß. Selbst die großen Verlage der Zeit produzierten aufgrund der Notlage mit minderwertigem Papier, das mittlerweile durchgehend verbräunt ist. Erst ab etwa 1950 zeigt sich eine schrittweise Verbesserung der Qualität und Festigkeit des Papiers. Im BKM-Sonderprogramm wird ein großer Teil der Wiesbadener Publikationen entsäuert, um sie für die Nachwelt zu erhalten.