Zahlen und Fakten

Bundesland
Ort
Berlin, Deutschland
Jahr
2014
Förderlinie
KEK-Modellprojekte
Kategorie
Archivbestand
Träger
Gattung
Materialität
Überlieferungssegment
Fördersumme
16.000,00 Euro

Als Hermann Muthesius (1861–1927) im Jahr 1896 eine Stelle als Kulturattaché an der deutschen Botschaft in London antritt, ahnt er wohl nicht, wie sehr ihn die Beschäftigung mit dem "Arts and Crafts Movement" prägen wird. Hier entdeckt der ausgebildete Maurer und studierte Architekt die sachliche Formgebung. Zurück in Deutschland wurde er 1907 zu einem der Mitbegründer des Deutschen Werkbunds, der heute als Vorläufer des Bauhauses gilt. Leitideen der Reformbewegung in Architektur und Kunsthandwerk sind unter anderem Materialgerechtigkeit, Funktionalität und Nachhaltigkeit.

Handschrift mit Tintenfraß

In seinen Londoner Jahren unterhält Muthesius rege Briefwechsel mit Künstlern wie Max Liebermann und William Morris, einem der wichtigsten Köpfe des "Arts and Crafts Movement". Muthesius schreibt mit Eisengallustinte, vor dem Versand legt er die Briefe unter eine Seite Kopierpapier und fertigt durch Reibung Durchschläge an. Er setzt dabei eine spezielle Kopiertinte ein, die auf ungeleimtem Papier auch nach mehreren Stunden noch lesbare Abdrücke hinterlässt. Diese Durchschläge sammelt er in zwei Korrespondenzbüchern, die als "Letterbook I" und "Letterbook II" bezeichnet werden. In den folgenden Jahrzehnten nagt die Schwefelsäure der Tinte an der Substanz der Blätter. Das Papier wird brüchig, das Schriftbild fast unleserlich. Da viele der Originalbriefe nicht erhalten sind, werden die Durchschläge zu Unikaten.

Das Werkbundarchiv – Museum der Dinge, das den Muthesius-Nachlass 1977 als Dauerleihgabe übernommen und 1995 erworben hat, entscheidet sich für eine umfassende restauratorisch-konservatorische Behandlung der Korrespondenzbücher. Bei besonders starkem Tintenfraß werden die Blätter einer Phytatbehandlung unterzogen, Risse und Fehlstellen werden mit Japanpapier kaschiert. Diese Verfahren hatte die Berliner Einrichtung bereits 2011 in einem KEK-Modellprojekt am "Letterbook II" erprobt. 2014 wird auch das erste der beiden Bücher behandelt. Für die KEK unterstreichen Projekte wie jene des Werkbundarchivs – Museum der Dinge die Nachhaltigkeit ihrer Förderung: In der Praxis entwickelte Methoden gehen nicht verloren, sondern werden in Aufbauprojekten weitergenutzt. Eine erste Evaluation der Koordinierungsstelle fällt positiv aus. Die Fortführung des Bund-Länder-Projekts ist gesichert.