Zahlen und Fakten

Bundesland
Ort
Naumburg, Deutschland
Jahr
2013
Förderlinie
KEK-Modellprojekte
Kategorie
Bibliotheksbestand
Träger
Materialität
Fördersumme
29.000,00 Euro

Sie zählen zu den größten mittelalterlichen Handschriften der Welt: die insgesamt acht Chorbücher der Bibliothek des Naumburger Domstifts, entstanden in der Zeit von 1500 bis nach 1506. Mit Maßen von rund 80 × 60 × 15 cm bringen die Bände jeweils zwischen 35 und 45 kg auf die Waage. Gewichtig ist neben der Größe die prächtige Ausstattung der Bände: Die kostbar illuminierten Pergamentblätter sind als Buchblock zwischen Holzdeckel gebunden, die an den Außenseiten mit Metallbeschlägen versehen sind. Diese dienen nicht nur zum Schließen, sondern auch zur Befestigung der Bücher an den eigens zur Aufstellung im Kirchenraum angefertigten Lesepulten.

mittelalterlicher Bucheinband

Noch bis weit in das 19. Jh. hinein kamen die Chorbücher bei Gottesdiensten zum Einsatz. Der intensive historische Gebrauch hat den Objekten jedoch zugesetzt: Es zeigen sich beschädigte Rücken, verformte Einbanddecken, verwelltes und aufgequollenes Pergament, Tintenfraß und Malschichtabplatzungen bei den Initialen. Als KEK-Modellprojekt haben die Vereinigten Domstifter in Kooperation mit dem Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft der Technischen Hochschule Köln das achte Chorbuch exemplarisch restauriert. Parallel dazu ist ein Restaurierungskonzept erstellt worden, das zur Bearbeitung der weiteren Chorbücher eingesetzt wird. Zusätzlich wurde mit der systematischen Schadenserfassung an allen acht Bänden ein rationelles Verfahren entwickelt, das andere Bibliotheken mit ähnlich großformatigen Beständen nachnutzen können.

Schäden an Originalen strukturiert zu erfassen, ist Kernthema der strategischen Arbeit der KEK. 2013 wird hierzu auf Initiative der Koordinierungsstelle das spartenübergreifende Bundesweite Expertennetzwerk zum Originalerhalt ernannt. Beim ersten Zusammentreffen in Berlin steht das Erfassungsraster für die Schadens- und Gefährdungsbilanz der Bestände in öffentlicher Trägerschaft auf der Agenda. Die ausgewerteten Ergebnisse bilden als "Bundesweiten Handlungsempfehlungen" die Grundlage für die Koordinierung des Originalerhalts zwischen Fachwelt und Politik.