Zahlen und Fakten

Bundesland
Ort
Darmstadt, Deutschland
Jahr
2017
Förderlinie
BKM-Sonderprogramm
Kategorie
Archivbestand
Träger
Schadensbild
Maßnahme
Gattung
Materialität
Fördersumme
12.500,00 Euro

"Ich kleide mich englisch, spreche französisch und schäme mich[,] ein Deutscher zu sein." Dies soll der Schriftsteller Albert H. Rausch (1882–1949) laut der hier abgebildeten Akte der NSDAP Kreisleitung Wetterau von 1941 einmal gesagt haben. Rausch soll zudem vor 1933 "demokratisch eingestellt" gewesen sein. Dennoch scheint er sich mit dem Nationalsozialismus arrangiert zu haben und wurde unter dem Künstlernamen Henry Benrath mit seinen Romanen über berühmte Kaiserinnen bekannt, die gut in die damalige Gedankenwelt passten. Ab 1939 zog sich Rausch jedoch nach Italien zurück, mutmaßlich wegen der zunehmenden Verfolgung homosexueller Menschen in seiner Heimat. Auch hierzu findet sich in der Akte der NSDAP ein Gerücht.

blaue Akte

Das Beispiel Rauschs macht deutlich, welche komplexen Lebensgeschichten hinter den Akten des Bestands "N 1" des Hessischen Staatsarchivs Darmstadt stehen, der Unterlagen zu "Dienststellen der NSDAP und ihrer Gliederungen auf dem Gebiet des Volksstaats Hessen" enthält. Die Massenentsäuerung dieses über 90 laufende Meter umfassenden Bestands war eines der ersten Projekte des 2017 eingeführten BKM-Sonderprogramms
zur Erhaltung schriftlichen Kulturguts. Diese Förderlinie unterstützt seitdem Projekte zur Mengenbehandlung und ergänzt die KEK-Modellprojektförderung. Da die Fördermittel des Bundes an eine 50-prozentige Kofinanzierung durch Landes- oder Eigenmittel gebunden sind, haben zahlreiche Länder Programme und Strukturen entwickelt oder ausgebaut, um Projekte zu unterstützen und sich für den Originalerhalt zu engagieren. So hat Hessen unmittelbar in Reaktion auf das Sonderprogramm ein umfassendes Landesprogramm
ins Leben gerufen, bei dem 2020 insgesamt 1,5 Mio. Euro zur Verfügung standen. Durch das Sonderprogramm kommen also Dinge in Bewegung. Dies zeigt sich auch an den ambitionierten Plänen des Landesarchivs Hessen, bis 2030 seine gesamte Überlieferung zur NS-Zeit in neun Teilprojekten zu entsäuern. Das betrifft einen Umfang von rund 13 laufenden Kilometern Akten. Zahllose Lebensgeschichten wie diejenige von Albert H. Rausch bleiben so dauerhaft erforschbar.