Zahlen und Fakten

Bundesland
Ort
Leipzig, Deutschland
Jahr
2023–2025
Förderlinie
Träger
Materialität
Fördersumme
39.250,00 Euro

Die Annaberger Kirchenbibliothek, deren Gründung auf die Zeit um 1560 zurückgeht, ist eine der bedeutendsten Kirchenbibliotheken Mitteldeutschlands. Mit ihrer reichen Ausstattung entspricht sie der spätgotischen Hallenkirche St. Annen von 1525, deren Pfarrer die Bücher über Jahrhunderte für den Gottesdienstgebrauch und ihre theologischen Interessen nutzten. Zudem unterstreicht sie die Bedeutung der Stadt, die im 16. Jahrhundert neben Freiberg als erzgebirgische Metropole des Silberbergbaus galt. Heute befindet sich die Bibliothek im Besitz der Kirchgemeinde St. Annen und gehört administrativ zur Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens (EVLKS). 

Erstaunlicherweise war nahezu die Hälfte der Titel des 17. Jahrhunderts bis zur Erschließung des Bestands 2022 bibliothekarisch nicht nachgewiesen, also gänzlich unbekannt. Um diese ungehobenen Schätze erschließen, teildigitalisieren und einer achtsamen Benutzung zuführen zu können, war zunächst konservatorische Fürsorge erforderlich. Für das BKM-Sonderprogramm wurden 69 Bände ausgewählt, deren Schäden von losen oder fehlenden Einbanddeckeln über historische Wasserschäden bis hin zu gebrochenen Bünden reichen. Darunter befinden sich besonders herausragende Stücke, z. B. eine kolorierte Ausgabe der lateinischen Schedelschen Weltchronik von 1493 und ein kleinformatiges Buch von 1719 mit dem Titel "Himmelsschöne königliche Brautkammer", das in einen mit Silber beschlagenen Einband gebunden ist. Die Lektüre eines solchen Erbauungsbuches stärkte vor 300 Jahren die seelische Resilienz. Nach der Restaurierung wird für jedes dieser Bücher eine alterungsbeständige Schutzbox maßgefertigt. Äußeren Gefahren wie Feuer, Wasser und Staub werden sie so auf lange Zeit die Stirn bieten können.