Zahlen und Fakten

Bundesland
Ort
Halle, Deutschland
Jahr
2016
Förderlinie
KEK-Modellprojekte
Kategorie
Bibliotheksbestand
Träger
Gattung
Materialität
Überlieferungssegment
Fördersumme
7.600,00 Euro

Im Modellprojekt der Franckeschen Stiftungen zu Halle konnten sechs Handschriften mit insgesamt 469 Blatt restauriert werden. Die einzigartigen Schriften wurden in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts von halleschen Missionaren in Indien im heutigen Bundesstaat Tamil Nadu angefertigt. Als die dänische Flotte Anfang des 17. Jahrhunderts an der südindischen Koromandelküste landete, stieß ihre Besatzung auf eine jahrtausendealte Kultur. Deren Bindeglied, die tamilische Sprache, blickt auf die längste ununterbrochene Literaturtradition Indiens zurück. Die Dänen interessierte allerdings weit mehr die regionale Tuchproduktion. 1620 kaufte die Dänische Ostindien-Kompanie das Örtchen Tranquebar vom Raja des benachbarten Thanjavur und gründete eine Handelskolonie.

beschädigte Handschrift

Ab dem 18. Jahrhundert folgen protestantische Missionare, die nicht nur das Christentum zu verbreiten suchen, sondern auch Sprache, Kultur und Religion erforschen. Die sechs behandelten Manuskripte spiegeln diese Bemühungen der Dänisch-Halleschen Mission, auch Tranquebarmission genannt. Die Studien mit religions-, sprach- und naturwissenschaftlichen Untersuchungen wurden wegen ihres einzigartigen wissenschaftlichen Werts für das Restaurierungsprojekt ausgewählt. Eine ausführliche Bestandsanalyse war der Auswahl der Handschriften vorangegangen. Aufgrund ihres äußerst fragilen Zustands infolge von Wasserschäden, großflächigem Schimmelbefall sowie sehr starkem, fortschreitendem Tintenfraß, der teilweise bereits zu Textverlusten geführt hatte, waren die Handschriften bisher für die Forschung sowie Benutzung nicht zugänglich. Das war umso beunruhigender, als viele der Schriften für die Erforschung der Kolonialzeit unersetzlich sind. Während die Schriften in Halle jetzt in säurefreien Archivkartons lagern, sind sie im indischen Tranquebar, das heute Tharangambadi heißt, als Digitalisate einsehbar.