Sprünge in Gläsern, grauweiße Beläge vor Papyri, lose Papyrusfasern: Das sind die typischen Schadensbilder, mit denen Jörg Graf die theoretischen Erläuterungen in seinem Workshop in Leipzig beginnt. 2018 startete der Leiter der Restaurierungswerkstatt in der Universitätsbibliothek Leipzig den ersten Kurs zur Restaurierung und Konservierung von Papyrus. "Das Interesse und die Begeisterung der Teilnehmer bestätigte den Bedarf an Fortbildung und ließ uns erfolgreich einen Antrag auf Förderung für die kommenden beiden Kurse bei der KEK stellen", so Graf.

Im Mittelpunkt steht die Vernetzung von Kompetenzen

Jeweils sechs Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Europa werden dort vier Tage lang mit Papyri aus der Leipziger Sammlung arbeiten. "Ziel dieser Fortbildungen ist es, dass auch Sammlungen ohne eigene Restaurierungswerkstatt kleinere konservatorische Eingriffe selbst vornehmen können, wenn beispielsweise eine alte Verglasung gebrochen ist und diese durch neues Glas ersetzt werden muss." Auch umfangreichere Restaurierungen werden dadurch möglich, dass Graf den Kursteilnehmerinnen und -teilnehmern weiterhin beratend zur Seite steht. Als Spezialist der Papyruskonservierung vermittelt er seine restauratorischen Fertigkeiten in Seminaren an die internationale Fachwelt. Im Mittelpunkt steht dabei die Vernetzung von Kompetenzen.

Jörg Graf
Jörg Graf in seiner Restaurierungswerkstatt. © Jörg F. Müller

Der besondere Schwerpunkt der Leipziger Workshops ist ein praktischer: Wie geht man mit Papyrus als antikem Schreibmaterial um, wie reinigt man die Objekte oder wie fügt man zerrissene Papyrusfragmente am besten wieder zusammen? Wie in einem Puzzlespiel arbeiten die Workshopteilnehmerinnen und -teilnehmer auf dem Leuchttisch, um mithilfe des Verlaufs der Papyrusfasern zusammengehörige Fragmente zu identifizieren.

Im Workshop wird aber nicht nur restauriert. Um ein Gefühl für das Material zu vermitteln, gibt es zu Beginn die Möglichkeit, Papyrus selbst herzustellen. "Wenn man erst einmal Papyrus hergestellt hat, kann man ganz anders an eine Restaurierung herangehen", erklärt Jörg Graf. Neben der Finanzierung der kommenden beiden Workshops ermöglicht die KEK im Jahr 2020, dass das Papyrus-Treffen, ein internationaler zweitägiger Kongress, nach Deutschland kommt. Am 25. und 26. Juni 2020 treffen sich Restauratorinnen und Restauratoren sowie Kustodinnen und Kustoden europäischer Papyrussammlungen in Leipzig, um aktuelle Fragestellungen im Bereich der Papyruskonservierung und -restaurierung zu diskutieren.