Am 27. und 28. November 2025 kamen sechs Restaurator∙innen aus ganz Deutschland in die Restaurierungswerkstatt der Staatsbibliothek zu Berlin (SBB), um sich praktischen Fragen der Ausstellungspräsentation schriftlichen Kulturguts zu widmen. Der Austausch war das Ergebnis des von der KEK initiierten Netzwerks zur Entwicklung eines Fortbildungsformats zum Kompetenzaustausch unter Restaurierungswerkstätten. Im Nachgang der 2023 und 2024 geförderten Winter School an der Herzogin Anna Amalia Bibliothek startete die KEK eine bundesweite Initiative, um die großen Werkstätten öffentlicher Einrichtungen zu vernetzen und den fachlichen Austausch auf praktischer Ebene zu stärken. Denn jede Werkstatt hat eigene Schwerpunkte und Expertise, von denen andere Häuser profitieren können. 

Die Restaurierungswerkstatt der SBB hat durch die Eröffnung des Stabi Kulturwerks im Jahr 2022 vielfältige Erfahrungen und Kompetenzen bei der Präsentation schriftlichen Kulturguts gesammelt. Das Ausstellen von "Flachware" birgt im Vergleich zu klassischen Museumsobjekten andere Herausforderungen, für die im Kulturwerk individuelle Lösungen gefunden wurden. Dies hat die KEK zum Anlass genommen, in enger Kooperation mit der Werkstattleitung eine Fortbildung für Restaurator∙innen anderer öffentlicher Einrichtungen anzubieten. Die Veranstaltung wurde im Rahmen der Bund-Länder-Kooperationen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz gefördert, wodurch finanzielle Hürden für die Teilnahme minimiert wurden. 

Fortbildung in kleinem Kreis

Unter dem Titel "Wie stellen wir das aus? Vorschläge zur Präsentation von Büchern und Papierobjekten in Ausstellungen" konzipierte die Restaurierungswerkstatt eine Fortbildung für zwei halbe Tage. Inhaltlich standen Themen wie die Herstellung von Buchwiegen, Montierungsmethoden, die Arbeit mit Magneten, Aspekte der Vitrinengestaltung sowie Fragen zu Licht und Klima im Mittelpunkt. Vier Mitarbeiter∙innen der SBB leiteten die verschiedenen inhaltlichen Abschnitte. Um eine enge praktische Betreuung zu ermöglichen, war die Teilnehmer∙innenzahl auf sechs Personen begrenzt. Da die Zahl der Anmeldungen die vorhandenen Plätze überstieg, hatte vorab das Los entschieden. 

Restauratorin bei der Arbeit
Herstellung einer Buchwiege. © Staatsbibliothek zu Berlin, Felix Baßler

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand der kollegiale Austausch auf Augenhöhe. Den Auftakt bildeten ein gemeinsames Mittagessen und eine Vorstellungsrunde. Im Anschluss stand ein erster Besuch des Stabi Kulturwerks auf dem Programm, bei dem die Runde zunächst die Dauerausstellung in Augenschein nahm. Für die praktischen Inhalte ging es in die Werkstatträume, wo die Teilnehmer∙innen eigene Buchwiegen herstellten und hilfreiche Tipps erhielten. Gegen Ende des zweiten Tags besuchten sie nochmals die Ausstellung – diesmal mit dem neuen Hintergrundwissen. Die verschiedenen und mitunter nicht sofort sichtbaren Präsentationstechniken konnten so mit frischem Blick betrachtet werden. 

Über Einrichtungsgrenzen und Generationen hinweg

Den Abschluss bildete ein zusammenfassendes Gespräch im Kreis aller Beteiligten. Die Runde bewertete das Fortbildungsformat als sehr hilfreich. Einzelne Methoden waren zwar in der Theorie bekannt, führen aber erst in der praktischen Umsetzung zu konkreten Fragen, auf die Kolleg·innen Antworten geben können. Einen Erkenntnisgewinn gab es auch bei den Referent∙innen selbst: Durch den Austausch mit anderen Expert∙innen erhielten sie wichtiges Feedback. Bei der Fortbildung handelte es sich also nicht um reinen Frontalunterricht. Für die Kolleg·innen der SBB bot sie eine Gelegenheit, ihr Wissen über die eigene Einrichtung und die Generationen hinweg weiterzugeben. Wenige Tage nach der Veranstaltung wurden die Erkenntnisse bei einer Videokonferenz mit dem gesamten Werkstätten-Netzwerk geteilt und über die Zukunft des Formats diskutiert. Daher heißt es sicherlich: Fortsetzung folgt.