2. KEK-Tagung "Originale erhalten"
Mit den "Bundesweiten Handlungsempfehlungen" veröffentlichte die Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) 2015 die erste sparten- und länderübergreifende Gesamtstrategie zur Bestandserhaltung in Archiven und Bibliotheken in Deutschland. Seit Erscheinen des Strategiepapiers wurden im Bereich des Originalerhalts bundesweit auf mehreren Ebenen Erfolge erzielt. Gleichzeitig haben sich Rahmenbedingungen und Bedarfe verändert. Bei der zweiten KEK-Tagung wurden Entwicklungen nachgezeichnet und Bilanzen gezogen. Abschließend wurden die zukünftigen Prioritäten mit dem Horizont "Originalerhalt 2035" erörtert.
Die Veranstaltung fand am 6. November 2025 in der Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Unter den Linden, statt und stieß auf große Resonanz: Rund 110 Teilnehmer·innen kamen vor Ort im Wilhelm-von-Humboldt-Saal zusammen, weitere 130 verfolgten die Veranstaltung per Livestream. Die digitale Übertragung konnte mit freundlicher Unterstützung des Föderalen Programms der Stiftung Preußischer Kulturbesitz realisiert werden. Die Abendveranstaltung "Original gelesen – Die geretteten Noten Georg Philipp Telemanns" rundete den Veranstaltungstag als publikumswirksames Rahmenangebot ab. Das Konzertgespräch und die Pop-up-Ausstellung zu ausgewählten Notenhandschriften begeisterten rund 180 Teilnehmer·innen für die Erhaltung von schriftlichen Originalen.
Mit der Keynote Jenseits von Kulturpolitik: Originale als ewiges Gedächtnis eröffnete Dagnija Baltiņa, Direktorin der Lettischen Nationalbibliothek, die Veranstaltung. Darin beleuchtete sie unter den Gesichtspunkten Ethik, Nachhaltigkeit und Solidarität die Dimensionen des Originalerhalts schriftlichen Kulturguts. In der anschließenden Podiumsdiskussion griff Valdimir Balzer, Journalist beim Deutschlandradio, die Impulse moderativ auf. Es diskutierten Daniela Schneckenburger vom Deutschen Städtetag, Dr. Philipp Salamon-Menger für den Kulturausschuss der Kultusministerkonferenz, Prof. Robert Zepf von der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky, Olaf Zimmermann vom Deutschen Kulturrat und Dagnija Baltiņa.
Am Nachmittag standen Kernthemen der Bestandserhaltung auf dem Programm. Dabei wurden zunächst strategische Schlüsselbereiche wie die Koordinierung auf Länderebene, der Originalerhalt als gesamtstaatliche Aufgabe und die umfassende Rolle von Schutzverpackungen als Präventionsmaßnahme erörtert und diskutiert.
Im Weiteren folgten Fachimpulse und ein politischer Impuls zu den Themen Notfallvorsorge in Bayern von Dr. Laura Scherr, Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns, Kulturgutkataster in Rheinland-Pfalz von Beate Umann, Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz – Landesstelle Bestandserhaltung in RLP, Massenentsäuerung im Landesarchiv Sachsen-Anhalt von Dr. Detlev Heiden, Landesarchiv Sachsen-Anhalt, Bestandserhaltung im Landesarchiv Schleswig-Holstein von Rebecka Thalmann, Landesarchiv Schleswig-Holstein, und Originalerhalt als gesamtstaatliche Aufgabe von Dr. Robin Mishra, Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien – Abteilung K4 Erinnerungskultur.
Moderiert von Robert Zepf wurden in der Abschlussdiskussion die eingebrachten Kernpunkte mit der Perspektive "Originalerhalt 2035" aufgegriffen. Zu den Prioritäten für die kommenden zehn Jahre diskutierten Dr. Laura Scherr, Beate Umann, Dr. Detlev Heiden, Rebecka Thalmann und Dr. Robin Mishra. Als Rahmenangebot wurde im Haus Unter den Linden ein Marktplatz eingerichtet, der Informationen zu bestehenden Landes- und Beratungsstellen zum Originalerhalt sowie ausgewählte Projekte präsentierte. Die Besichtigung des Zwickauer Notfallanhängers stieß dabei auf besonders großes Interesse.
Mit der Abendveranstaltung "Originale gelesen – Die geretteten Noten Georg Philipp Telemanns" feierte das Archiv der Sing-Akademie zu Berlin in Kooperation mit der Staatsbibliothek zu Berlin und der KEK den Abschluss der Handschriftenrestaurierung seiner Telemann-Bestände. Einzelne von Tintenfraß betroffene Handschriften wurden über KEK-Förderungen exemplarisch restauriert. Bearbeitete Kantaten wurden am Abend ausgestellt und die Schaden sowie deren Behebung im Gespräch erläutert. Es musizierten die lautten compagney BERLIN, der Kammerchor der Sing-Akademie zu Berlin sowie vier Solist·innen.
Teaserfoto © Anna Boroffka, KEK