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Haltbarkeit analoger Datenträger

Absätze

Materialität 

Analoge Materialien, die zur Speicherung von auditiven und bewegt-bildlichen Informationen genutzt werden, bestehen aus mehreren Schichten (Schichtträger und Schutzschichten). Die Haltbarkeit dieser Trägermaterialien ist im Verhältnis zu den traditionellen Beschreibstoffen, wie Papier und Pergament, relativ gering. Beispielsweise unterliegen Aufzeichnungen auf Nitrocellulosebasis einem ständigen Zerfallsprozess, der nur verlangsamt, aber nicht gestoppt werden kann. Nicht nur die nitrosen Gase bewirken einen stetigen Materialzerfall, sondern es besteht auch die Gefahr der Selbstentzündung. Die später aufkommenden Di- und Triazetatfilme sind zwar nicht selbstentzündlich, weisen aber häufig das sogenannte Essigsäure-Syndrom auf. Durch die Freisetzung von Essigsäure kommt es zur Ablösung der Emulsionsschicht. Diese Filme sind daher separat zu lagern bzw. umzukopieren und zu kassieren.

Mikrofilmrollen
Beispiel einer Mikrofilmrolle  © Maria Kobold, Jana Moczarski

Lagerung

Außerdem kommt es bei zu geringer Luftfeuchtigkeit zum Schrumpfungsprozess des Schichtträgers der Acetatfilme. Dagegen bedingt eine zu hohe relative Luftfeuchtigkeit die Schichtzerstörung von analogen Datenträgern. Als besonders empfindlich gelten die Magnetbänder. Aufgrund ihrer Gelatinebeschichtung sind Filmmaterialien neben den chemischen Schäden anfällig für den Befall mit Mikroorganismen. Auswirkungen der Schäden zeigen sich an Veränderungen der Farb-, Ton- und Bildqualität. Durch optimale Lagerungsbedingungen können diese Mechanismen verlangsamt werden.

Nutzung

Bei der Nutzung von Film-, Bild- und Tonaufzeichnungen sollte unbedingt mit Baumwollhandschuhen gearbeitet werden sowie auf jede Manipulation an den Datenträgern verzichtet werden. Eine Digitalisierung dieser Materialien als konservative Maßnahme ist zumeist notwendig. Nur so ist es möglich, die enthaltenen Informationen dauerhaft zu sichern.

Medium

Schellack, Vinyl, seit 1887. 

Bemerkung

Analoger Speicher für Schallsignale, die durch Abtasten eines Tonabnehmers in hörbare Signale umgewandelt werden.

Verbreitung

Im 20. Jahrhundert im privaten Bereich stark verbreitet, heute nur noch ein wenig produziertes Nischenprodukt.

Haltbarkeit

Abhängigkeit von Abspielhäufigkeit: ca. 50 Jahre.

Schäden

Mechanische Schäden (Risse und Kratzer), Verwellungen durch klimatische Bedingungen.

Digitalisierung

Abspielgeräte werden noch produziert. Fachkundige·n Dienstleister·in nutzen.

Nitrocellulose, Acetat, Polyester, seit 1887.

Bemerkung

Analoges Speichermedium zur Präsentation von bewegten Bildern (mit und ohne Ton).

Verbreitung

Im 20. Jahrhundert bis heute im privaten und professionellen Bereich stark verbreitet. Nutzung des Materials auch für die Langzeitarchivierung auf Mikrofilm.

Haltbarkeit

  • Nitro- und Acetatfilm bei guter Lagerung: ca. 50 Jahre
  • Schwarzweißfilm: ca. 500 Jahre
  • Farbfilm: ca. 150 Jahre

Schäden

  • Cellulosenitratfilme: Selbstentzündung
  • Acetatfilme: Essigsäure-Syndrom, Versprödung, Verformung, Schrumpfung, Bakterien- und Pilzbefall
  • Polyesterfilme: Farbveränderung, Schäden durch Spannungen, Schrumpfung

Digitalisierung

Abspielgeräte werden noch produziert. Fachkundige·n Dienstleister·in nutzen.

Seit 1934.

Bemerkung

Beschichtetes Stahl-, Papier- oder Kunststoffband, das auf Spulen aufgewickelt wird.

Verbreitung

Im 20. Jahrhundert vor allem im professionellen Bereich stark verbreitet.

Haltbarkeit

Abhängigkeit von Abspielhäufigkeit: ca. 10-20 Jahre.

Schäden

  • Sticky-Shed-Syndrom (klebriger Abrieb)
  • Versprödung und Verformung
  • Abbau der Magnetschicht
  • Essigsäure-Syndrom

Digitalisierung

Abspielgeräte schwer zu finden. Fachkundige·n Dienstleister·in nutzen.

Seit 1963.

Bemerkung

Tonband, das in einem Kunststoffgehäuse verarbeitet wurde.

Verbreitung

Im 20. Jahrhundert im privaten Bereich sehr verbreitet, Produktion 2010 eingestellt.

Haltbarkeit

Abhängigkeit von Abspielhäufigkeit: ca. 10-20 Jahre.

Schäden

  • Sticky-Shed-Syndrom (klebriger Abrieb)
  • Versprödung und Verformung
  • Abbau der Magnetschicht
  • Essigsäure-Syndrom

Digitalisierung

Abspielgeräte werden noch produziert. Fachkundige·n Dienstleister·in nutzen.

Seit 1986/1969.

Bemerkung

Videoformat in Kassettenform zur Aufnahme und Wiedergabe von Bild und Ton.

Verbreitung

Im 20. Jahrhundert in der professionellen Videotechnik genutzt (Fernsehanstalten, Videokünstler·innen).

Haltbarkeit

Abhängigkeit von Abspielhäufigkeit: ca. 20 Jahre.

Schäden

  • Farbveränderungen
  • Schäden durch Spannungen
  • Schrumpfung des Materials
  • Essigsäure-Syndrom

Digitalisierung

Abspielgeräte noch vorhanden. Fachkundige·n Dienstleister·in nutzen.

Seit 1976.

Bemerkung

Analoges Magnetband zur Aufzeichnung- und Wiedergabe für Videorekorder.

Verbreitung

Im 20. Jahrhundert Standard im Heimvideobereich.

Haltbarkeit

Abhängigkeit von Abspielhäufigkeit: ca. 20 Jahre.

Schäden

  • Farb- und Klangveränderungen
  • Schäden durch Spannungen
  • Schrumpfung des Materials

Digitalisierung

Abspielgeräte noch vorhanden. Fachkundige·n Dienstleister·in nutzen.

Seit 1978.

Bemerkung

Vom Unternehmen Sony entwickeltes Magnetbandsystem zur analogen Video- und Audioaufzeichnung.

Verbreitung

Im 20. Jahrhundert vor allem im privaten Bereich genutzt.

Haltbarkeit

Abhängigkeit von Abspielhäufigkeit: ca. 20 Jahre.

Schäden

  • Farb- und Klangveränderungen
  • Schäden durch Spannungen
  • Schrumpfung des Materials

Digitalisierung

Abspielgeräte kaum noch zu finden. Fachkundige·n Dienstleister·in nutzen.

Seit 1982.

Bemerkung

Aus dem Betamax-Format entwickeltes Videosystem für professionelle und Broadcast-Anwendungen.

Verbreitung

Im 20. Jahrhundert hauptsächlich im professionellen Bereich verwendet.

Haltbarkeit

Abhängigkeit von Abspielhäufigkeit: ca. 20-35 Jahre.

Schäden

  • Farb- und Klangveränderungen
  • Schäden durch Spannungen
  • Schrumpfung des Materials

Digitalisierung

Abspielgeräte kaum noch zu finden. Fachkundige·n Dienstleister·in nutzen.

Seit 1987.

Bemerkung

Video- und Aufzeichnungssystem mit erheblich besser Bildqualität als bei VHS-Kassetten.

Verbreitung

Im 20. Jahrhundert verbreitet bei Amateurfilmer·innen, im privaten Bereich kaum genutzt.

Haltbarkeit

Abhängigkeit von Abspielhäufigkeit: ca. 20 Jahre.

Schäden

  • Farb- und Klangveränderungen
  • Schäden durch Spannungen
  • Schrumpfung des Materials

Digitalisierung

Abspielgeräte noch vorhanden. Fachkundige·n Dienstleister·in nutzen.

Quelle

  • Kobold, Maria; Moczarski, Jana; Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt; Hessisches Landesarchiv (Hrsg.) (2020): Bestandserhaltung: ein Ratgeber für Verwaltungen, Archive und Bibliotheken. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage, Darmstadt, ISBN 978-3-88443-058-3. DOI: 10.25534/tuprints-00011407
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