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Digitale Aufzeichnungen und Datenträger

Absätze

Allgemeines

Digitale Daten sind Daten, die durch einen Digitalisierungsprozess zum Zwecke der Maschinenlesbarkeit und elektronischer Verarbeitung in Computern in Binärformat umgewandelt oder bereits als sogenannte "born digital"-Daten erzeugt wurden. Zu diesen Daten gehören z. B. die Katalogdatenbank in Archiv oder Bibliothek, ausschließlich digital erstellte E-Books oder der tägliche E-Mailverkehr. Digitale Publikationen, Korrespondenzen aus Dokumentenmanagementsystemen, digitale Nachlässe u. Ä. werden Bibliotheken und Archiven in den letzten Jahren vermehrt angeboten. Der rasante technologische Wandel führt dazu, dass die gespeicherten Daten schnell altern und nicht mehr interpretierbar sind. Werden diese nicht gepflegt, so kann es schon nach kurzer Zeit durch fehlende passende Software und Hardware zu einem völligen oder teilweisen Datenverlust kommen. Prüfsummen (Hashwerte) können zur Überwachung etwaiger Datenverluste eingesetzt werden.

Disketten
Disketten werden heute nur noch selten genutzt © Brett Jordan (Unsplash license) 

Open Archival Information System

Das OAIS-Referenzmodell (Open Archival Information System bzw. Offenes Archiv-Informations-System), das von der NASA initiiert wurde, beschreibt in seinem Modell eine Organisation, die es mit den Herausforderungen einer funktionierenden Langzeitarchivierung digitaler Daten aufnimmt. OAIS ist ein Referenzmodell für ein dynamisches, erweiterungsfähiges Archivinformationssystem und wurde als ISO-Standard 14721:2003 veröffentlicht. Das Funktionsmodell definiert sechs Aufgabenbereiche:

  • Datenübernahme (Ingest)
  • Datenaufbewahrung (Archival Storage)
  • Datenmanagement
  • Systemverwaltung
  • Planung der Langzeitarchivierung (Preservation Planning)
  • Zugriff (Access)

Migration und Emulation

Empfehlenswert für die Erhaltung schnelllebiger digitaler Daten ist die regelmäßige Migration in ein entsprechendes aktuelles, offenes (nicht proprietäres) und weitverbreitetes Dateiformat. Wichtig ist, dass die dauerhafte Speicherung und die Anforderungen an die Integrität (Unveränderbarkeit der Archivalien), Authentizität (Archivalien stammen von dem·der angegebenen Urheber·in), Vollständigkeit (keine Archivalien wurden nachträglich entfernt) und die Lesbarkeit (Archivalien können angezeigt und interpretiert werden) sichergestellt sind. Nachteil einer Migration der Daten in ein aktuelleres Format ist häufig der Verlust von Eigenschaften. Empfehlenswert ist daher, bereits vorab signifikante Eigenschaften der Informationen zu definieren und diese bei der Auswahl des nächsten Dateiformats zu berücksichtigen. Emulation ermöglicht durch die Nachbildung einer Softwareumgebung diese Eigenschaften zu bewahren und die Daten auch auf neuen Computersystemen im Originalformat anzuzeigen.

Digitale Langzeitarchivierung

Nicht zu vernachlässigen ist die Anlage von aussagekräftigen Metadaten. Als Metadaten werden die Daten bezeichnet, "die semantische, strukturelle, administrative und technische Daten über andere Daten bereitstellen". Es sind also einfacher gesagt "Daten über Daten", die die Grundlage für eine systematische Langzeitarchivierung bilden. 2003 wurde ein Kooperationsverbund nestor zum Thema digitale Langzeitarchivierung gegründet. Mit nestor konnte ein Netzwerk errichtet werden, das spartenübergreifend Institutionen zusammenbringt und u.a. den Austausch von Informationen, die Teilung von Aufgaben, die Entwicklung von Standards und die Nutzung von Synergieeffekten fördert. Ähnlich arbeitet die Koordinierungsstelle für die dauerhafte Archivierung elektronischer Unterlagen (KOST), ein Gemeinschaftsunternehmen von Schweizer Archiven, die für die Bearbeitung digitaler Daten praktische Hinweise bietet.

 

  • Digitale Aufzeichnungen haben ohne Pflege keine lange Lebensdauer
  • Erhaltung der Integrität (Hashen), Authentizität, Vollständigkeit und Lesbarkeit
  • Strategien zur Erhaltung: Migration der Daten in ein weitverbreitetes, offenes Format oder Emulation der Darstellungsumgebung der Daten
  • Austausch mit anderen Institutionen, die digitale Langzeitarchivierung betreiben (Preservation Management, Technology/Community Watch)

Informationserhaltung durch

Beschreibung

Regelmäßige Migration der Dateien in neue, weitverbreitete und offene Formate.

Aktivitäten

Es sind geeignete Formate zum optimalen Erhalt der signifikanten Eigenschaften des Objekts auszuwählen. Migrationen sollten immer den neuesten Technologien angepasst werden.

Konsequenz

Das sogenannte "Look and Feel" bleibt bei komplexen oder interaktiven digitalen Objekten oft nicht vollständig erhalten.

Beschreibung

Rechtzeitige Programmierung eines Emulators soll die Informationen der Dateien auch in einer anderen technischen Umgebung lesbar erhalten.

Aktivitäten

Die originäre Performance mit ihren signifikanten Eigenschaften soll erhalten bleiben. Es muss beobachtet werden, wie lange Emulationen möglich sind.

Konsequenz

Der Programmieraufwand ist hoch. Das Urheberrecht macht das Bereitstellen obsoleter Softwareumgebung zu einer aufwändigen Aufgabe.

Medium

Plycarbonat beschichtet.

Optimal

  • Temperatur 4-21°C
  • relative Luftfeuchtigkeit 30-50%
  • regelmäßige digitale Kopie mit Prüfsummencheck

Vermeiden

  • original CD/DVD als Langzeitspeichermedium nutzen
  • Temperatur > 25°C
  • relative Luftfeuchtigkeit < 30% und > 60%
  • Kratzer
  • auf die Beschichtung fassen

Vermeidungsgrund

  • Datenverlust
  • CD/DVD-Medien haben nur eine begrenzte Lebensdauer
  • industriell hergestellte CDs/DVDs: 10- 20Jahre
  • selbst gebrannte CDs/DVDs: 2-5 Jahre

Langzeitarchivierung

  • Daten in entsprechendem Format auf Festplatte (RAID-System) sichern
  • kostengünstigere Alternative: Umkopieren der Medien alle 2-5 Jahre auf neue Datenträger
  • Sicherung der Backups auf digitalen Bandlaufwerken (LTO) kann für die Langzeitarchivierung empfehlenswert sein

Optimal

  • langzeittaugliches Speichermedium und Format
  • unkomprimierte Datenspeicherung
  • kühle und trockene Lagerung der Datenträger (z. B. Festplatte)

Vermeiden

  • nicht zukunftssichere oder wenig verbreitete Datenformate
  • veraltete Datenträger (z. B. Disketten)
  • Datenkomprimierung sollte den Spezifikationen der Originalformats entsprechen

Vermeidungsgrund

  • Datenverlust
  • Kompatibilitätsprobleme

Langzeitarchivierung

  • Konvertieren in unkomprimierte WAVE-Datei (.wav)
  • redundantes Speichern auf Festplatte (RAID-System)
  • Sicherung der Backups auf digitalen Bandlaufwerken (LTO) kann für die Langzeitarchivierung empfehlenswert sein
  • Anlage von Metadaten
  • regelmäßige Migration der Daten
  • kühle und trockene Lagerung der Datenträger

Optimal

  • langzeittaugliches Speichermedium und Format
  • Spezifikationen sollten möglichst dem Originalformat entsprechen
  • keine Komprimierung/Verschlechterung der Ursprungsqualität

Vermeiden

  • Datenkomprimierung
  • nicht zukunftssichere oder wenig verbreitete Datenformate
  • veraltete Datenträger (z. B. Disketten)

Vermeidungsgrund

  • Datenverlust
  • Kompatibilitätsprobleme

Langzeitarchivierung

  • Speichern auf Festplatte (RAID-System)
  • Spezifikationen sollten möglichst dem Originalformat entsprechen
  • keine Komprimierung/Verschlechterung der Ursprungsqualität
  • Anlage von Metadaten
  • regelmäßige Migration der Daten
  • kühle und trockene Lagerung der Datenträger
  • schwankungsarmes Klima

Optimal

  • langzeittaugliches Speichermedium und Format
  • unkomprimierte Datenspeicherung
  • TIFF (.tif )
  • PDF/A
  • Erzeugen von Hashwerten
  • XML-Dateien

Vermeiden

  • nicht zukunftssichere oder wenig verbreitete Datenformate
  • veraltete Datenträger (z. B. Disketten)
  • schlechtere oder mittelmäßigere Kompressionsparameter als das Ausgangsformat

Vermeidungsgrund

  • Datenverlust
  • Kompatibilitätsprobleme

Langzeitarchivierung

  • Speichern auf Festplatte (RAID-System)
  • Sicherung der Backups auf digitalen Bandlaufwerken (LTO) kann für die Langzeitarchivierung empfehlenswert sein
  • Anlage von Metadaten
  • regelmäßige Migration der Daten
  • kühle und trockene Lagerung der Datenträger
  • schwankungsarmes Klima

Quelle

  • Kobold, Maria; Moczarski, Jana; Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt; Hessisches Landesarchiv (Hrsg.) (2020): Bestandserhaltung: ein Ratgeber für Verwaltungen, Archive und Bibliotheken. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage, Darmstadt, ISBN 978-3-88443-058-3. DOI: 10.25534/tuprints-00011407
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Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) 
an der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz 
Unter den Linden 8, 10117 Berlin 

Briefadresse: 10102 Berlin 
+49 (0) 30 266 43 1454 
kek(at)sbb.spk-berlin.de